Rohstoff-Fondsmanager im Gespräch „Darum hat der Goldpreis nichts mehr mit der Produktion zu tun“

Tobias Tretter, Geschäftsführender Gesellschafter der Commodity Capital

Tobias Tretter, Geschäftsführender Gesellschafter der Commodity Capital

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DAS INVESTMENT: Was sind die Eckdaten dieses Marktes?

Tobias Tretter: Sie brauchen starke Nerven. Der Sektor ist extrem klein und von Natur aus sehr volatil. In den letzten vier Jahren hat man das auch deutlich gesehen, allerdings haben nicht alle Fondsmanager gleichermaßen verloren. Fonds, die in kleinere Werte investiert haben, haben überdurchschnittlich verloren. Es kam in erster Linie darauf an, wer die Aktionäre waren. Große Investoren haben nämlich liquidiert, sobald es gute Ergebnisse gab.

Ein Beispiel: der Preis für Lithium ist enorm gestiegen, die Lithium-Fonds haben aber ebenfalls verloren, niemand hat mehr unterschieden, in welche Rohstoffe investiert wurde, das war das Problem des Marktes in den letzten vier Jahren.

Hätte man den Ölpreis-Verfall vorhersehen können?

Ja. Die Anzahl der Drilling Rigs (Anm. der Red.: Bohrvorrichtungen) sind mit dem Fracking sehr stark gestiegen. Es sind ja grundsätzlich große Becken, die gedrilllt werden, da ist der Erfolg relativ vorhersehbar. Die Quote der Ölproduktion folgt dann etwa zwei Jahre später und geht nach oben. Fracking braucht einen Ölpreis von mindestens 60 bis 80 Dollar, um wirtschaftlich zu sein, daher geht die Neuerschließung angesichts des niedrigen Ölpreises nun erheblich zurück.

Ich glaube, der Ölpreis wird eine Zeitlang weiter zwischen 40 und 50 US-Dollar schwanken, weil es immer noch eine Überproduktion insbesondere in den USA gibt. Ist ein Bohrloch erst einmal in Produktion gegangen, dann sind die Kosten, es weiter zu betreiben, verhältnismäßig gering. Ein Fracking-Projekt läuft auch nur wenige Jahre. Ich sehe erst wieder 2017 oder 2018 Chancen auf einen deutlich steigenden Ölpreis, abhängig auch von der Politik und der Produktion Irans.

Zum Thema Gold, es findet kaum noch Exploration, also das Aufspüren neuer Vorkommen statt. Was bedeutet das für den Markt?


Die Produktion sinkt bereits, wir sehen überall Highgrading, das heißt die ganzen großen Goldproduzenten bauen nun das hochgradige Gestein komplett ab. Damit fallen ihre Produktionskosten, aber das gesamte Projekt wird zerstört, denn die unökonomischen Unzen, die sonst als Blend mitanfallen, gehen durch diese Abbauweise verloren. Daher sinken nun auch die Gesamtreserven weiter dramatisch. Die Produktion wird unabhängig vom Preis deutlich sinken. Der physische Markt ist ja nur ein Bruchteil des gesamten Marktes. Der Preis hat daher nichts mehr mit der Produktion zu tun.