Rohstoff-Investments Wer hat am Rohölmarkt den längeren Atem?

Mittelfristig sind steigende Ölpreise für alle Marktteilnehmer vorteilhafter. | © Ivan

Mittelfristig sind steigende Ölpreise für alle Marktteilnehmer vorteilhafter. Foto: Ivan

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Guido vom Schemm, Gründer und Geschäftsführer von GVS Financial Solutions

Nachdem der Ölpreis der Nordseesorte Brent im Jahresverlauf meistens stabil zwischen 50 und 55 US-Dollar pro Barrel pendelte, fiel der Preis im Juni wieder unter 47 US-Dollar pro Fass. Betrachtet man die Preisentwicklung des schwarzen Goldes genauer, wird schnell deutlich, dass der Ölpreis zum politischen Spielball zwischen den Vereinigten Staaten, Russland, China und den OPEC-Ländern geworden ist. Bei diesem harten Verdrängungswettkampf stellt sich zwangsläufig die Frage, wer den längeren Atem hat, denn beim aktuellen Ölpreis gibt es zahlreiche Verlierer.

Früher waren die Positionen am Ölmarkt klar verteilt. Die OPEC und Russland waren die größten Ölförderer, die USA und China waren die größten Abnehmer und somit auch die wichtigsten Ölimporteure. Anhand der Ölgewinnung durch das Fracking hat die USA diesen Kreislauf stark durcheinander gewirbelt und für Verwerfungen am Ölmarkt gesorgt. Daraufhin fiel der Ölpreis von 120 US-Dollar auf unter 30 US-Dollar pro Barrel.

Es gibt zahlreiche Verlierer

Aktuell notiert der Ölpreis der Sorte Brent bei 47 US-Dollar. Da die OPEC-Länder für einen ausgeglichenen Staatshaushalt einen Ölpreis von 90 US-Dollar und mehr benötigen, wird klar, dass es bei den aktuellen Notierungen zahlreiche Verlierer gibt.

Selbst Russland benötigt für einen ausgeglichenen Haushalt einen Preis von 70 US-Dollar pro Fass. Die US-amerikanische Fracking-Industrie kann im Schnitt ab einem Ölpreis von 65 Dollar Gewinne einfahren. Summa summarum ist die aktuelle Lage eine „lose-lose-Story“ für alle Produzenten, sodass die Ölförderung anhand weiterer Schuldenaufnahmen in den USA finanziert werden muss.

Somit haben die Ölfördernationen größtes Interesse an einem steigenden Ölpreis. Die OPEC hatte bisherige freiwillige Einschränkungen ihrer Förderung verlängert, aber da mit den Vereinigten Staaten ein großes Förderland der Organisation nicht angehört und überdies derzeit die Lagerbestände sehr groß sind, war der Preis nach dem Treffen der Ölfördernationen Ende Mai um rund 5 Prozent gefallen.