Rohstoffe: Die besten Fonds für den Superzyklus

Kohle-Kumpels aus Bottrop. Quelle: Getty Images

Kohle-Kumpels aus Bottrop. Quelle: Getty Images

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Drei, zwei, eins – meins. Ebay wird zur Rohstoffbörse. 24 Tonnen Kupferdraht für 249.000 Euro bot im Januar ein Berliner Händler an, die Tonne für 10.375 Euro. Ein stolzer Preis: An der London Metal Exchange kostete eine Tonne Kupfer zur selben Zeit 7.279 Euro. Günstig geht anders. Immerhin: Der Versand war kostenlos.

„Mich amüsiert so etwas. Als besonders seriös empfinde ich das Angebot allerdings nicht. Vielleicht, weil ich nur daran gewöhnt bin, Kleidung oder Alltagsgegenstände bei Ebay zu kaufen“, sagt Rohstoffexperte Leon Leschus vom Hamburger Weltwirtschaftsinstitut (HWWI). „Mit steigender Bedeutung der Rohstoffe könnten Angebote dieser Art aber durchaus zunehmen“, ist er überzeugt.

Kupfer, Kohle und zig andere Rohstoffe befeuern die größte Wachstumsstory des Jahrhunderts. Ohne sie ist der rasante Aufschwung der Schwellenländer, allen voran Chinas, nicht denkbar. Beispiel Kupfer: Kein Computer, kein Handy, kein Auto kommt ohne das Metall aus. 13,5 Millionen Fahrzeuge wurden 2009 allein in China verkauft. Jeder Wagen enthält im Schnitt 25 Kilogramm Kupfer, macht insgesamt 337.500 Tonnen oder 2 Prozent der Weltproduktion. 2010 wurden bereits 18 Millionen Autos verkauft, 33 Prozent und 112.500 Tonnen Kupfer mehr. Tendenz steigend. Schon in wenigen Jahren verschlingt China die Hälfte der weltweiten Kupferproduktion, sind sich die Experten einig.

Sieben Milliarden Menschen bevölkern in diesem Jahr erstmals unseren Planeten. 2025 werden es nach Berechnungen der Vereinten Nationen über 8 Milliarden sein. 970 Millionen der Neuankömmlinge kommen in den Schwellenländern zur Welt. Sie alle brauchen Häuser, Strom und Straßen. Allein um der rasant wachsenden Energienachfrage in den Schwellenländern gerecht zu werden, müsste in den kommenden 20 Jahren jede Woche ein großes, mit fossilen Brennstoffen betriebenes Kraftwerk samt dazugehöriger Strominfrastruktur gebaut werden.

Gefragt sind aber nicht nur Kupfer, Kohle, Eisen und Öl. Ein Leben in der modernen Welt ist auch ohne weniger bekannte Erze wie Kasserit und Coltan oder seltene Erden wie Neodym und Yttrium nicht vorstellbar. Sie werden in Handys und Laptops verarbeitet, in Digitalkameras, Flachbildschirmen und Spielkonsolen. Unersetzliche Rohstoffe, zumindest nach derzeitigem Stand der Technik.

Mit der rasant steigenden Nachfrage kann das Angebot nicht Schritt halten. Rohstoffe werden knapp, so die fundamentale Begründung für weiter steigende Preise – zumindest mittelfristig. Denn wie viel gefördert wird, ist letztlich eine Preisfrage. Je teurer der Stoff, desto lohnender die Förderung neuer oder bisher unrentabler Vorkommen. Rohstoffzyklus läuft noch 5 bis 10 Jahre

Neue Minen entstehen jedoch nicht über Nacht. „Erst etwa 2015 werden bei Kupfer neue Förderkapazitäten bereitstehen, die den Markt entspannen“, sagt Peter Buchholz von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Bei den schweren seltenen Erden sieht er noch bis nach 2020 Engpässe.

Auch wenn es kurz- und mittelfristig zu Lieferengpässen kommen könne, sei die geologische Verfügbarkeit bei den meisten mineralischen Rohstoffen weltweit aber unbedenklich, abgesehen von konventionellem Erdöl. Die Reichweiten der Rohstoffreserven hätten sich in den vergangenen 50 Jahren kaum geändert. Buchholz: „Es wurden immer wieder neue Lagerstätten erkundet und entdeckt.“

Die Mehrheit der Experten ist sich darum einig: Der Rohstoffzyklus wird nicht ewig dauern, fünf bis zehn Jahre steigende Preise sind aber auf jeden Fall noch drin. Den Trend verstärken derzeit niedrige Zinsen, hohe Staatsschulden und die massive Geldschwemme. Anleger haben Angst vor Inflation und – im schlimmsten Fall – dem Zusammenbruch ganzer Staaten, nicht zuletzt der Europäischen Union. Sie flüchten in Sachwerte: Rohstoffe, Gold und Aktien.