Rohstoffexpertin Ute Speidel: „Weizen ist nicht knapp“

Ute Speidel, Rohstoffexpertin bei Altira

Ute Speidel, Rohstoffexpertin bei Altira

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Ute Speidel: Herr Scholz, wenn ich Ihnen zu schnell rede, bremsen Sie mich oder fahren mir ins Wort.

DAS INVESTMENT.com: Klar, kein Problem.

Und Ute Speidel beginnt zu reden. Wirklich schnell. Das Gespräch kommt auf Weizen, das Exportverbot in Russland, die überfluteten Weizenfelder in Pakistan, und auf Rohstoffspekulanten, die deshalb auf steigende Weizenpreise wetten.

DAS INVESTMENT.com: Haben Sie auch ein paar Säcke Weizen geordert?

Speidel: Nein, an so etwas beteilige ich mich nicht.

DAS INVESTMENT.com: Aber der Weizen verbrennt doch und wird dadurch knapp.

Speidel: Weizen ist nicht knapp, die Lager sind noch immer gut gefüllt. Es ist wie vor zwei Jahren, als durch eine Dürre die australischen Weizenexporte zusammenbrachen. Schon war der Klimawandel überall, und Weizen wurde angeblich immer knapper. Mittlerweile hat sich der australische Export längst wieder normalisiert und die US-Ernte ist auf Rekordniveau. Immer wieder wird argumentiert, dass Agrarrohstoffe im Vergleich zu anderen Rohstoffen Nachholpotenzial hätten. Es gibt aber keinen Grund für eine gleichgerichtete Entwicklung aller Rohstoffpreise.

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DAS INVESTMENT.com: Bevölkerungswachstum, Wirtschaftswachstum – das wirkt auf alle Rohstoffe gleich.

Speidel: So ist es aber nicht. Rohstoffe sind eine sehr heterogene Angelegenheit. Jeder Markt unterscheidet sich vom nächsten und hat seine eigenen Gesetze. Deshalb halte ich auch nichts von Anlageformen, die alle Rohstoffe enthalten.

DAS INVESTMENT.com: Sondern?

Speidel: Ich konzentriere mich auf Rohstoffe, die langfristig wirklich knapp sind, wie etwa Kupfer, Platin, metallurgische Kohle, also Kohle, die zum Stahlkochen verwendet wird. Hier kommt das Angebot nicht mit der Nachfrage mit.

DAS INVESTMENT.com: Durch Ihre Käufe verknappen Sie das Angebot noch mehr. Dann müssen Häuslebauer für ihre Kupferleitungen und Alu-Rohre Ihretwegen noch mehr bezahlen.

Speidel: Spekulanten übertreiben und untertreiben, sie ändern aber nicht die fundamentalen Rahmendaten.

DAS INVESTMENT.com: ...und treiben damit grundlos die Preise, was vielleicht noch schlimmer ist. Wenn Sie zusätzliches Geld in einen ganz klar begrenzten Markt stecken, erhöht das ganz sicher das Preisniveau.

Speidel: Das kann ich auch nicht ganz abstreiten. Bei einzelnen besonders engen Märkten wie etwa Uran oder kürzlich Kakao gibt es sicherlich auch manipulierte Kurse. In anderen Märkten wie etwa Öl oder Kupfer kann das Geld lediglich den Trend nach oben oder nach unten verstärken.

DAS INVESTMENT.com: Wie etwa beim Ölpreis 2008? Analysten überschlagen sich in ihren Prognosen, alle Welt stürzt sich auf Öl, der Begriff Paper-Barrel für börsengehandeltes Öl entsteht – und der Preis steigt. Und nicht einmal ein Jahr später hat er sich gefünftelt. Wenn das keine Spekulation war.

Speidel: Zu einem gewissen Teil vielleicht. Aber das Ganze hatte auch eine reale Grundlage. 2008 sind durch einen stark gestiegenen Verbrauch und die kontinuierlichen Probleme bei der Ausweitung der Förderung die so genannten freien Kapazitäten extrem zurückgegangen. Freie Produktionskapazitäten sind das, was die Ölindustrie dem Angebot noch zusetzen kann, wie stark sie also den Ölhahn zusätzlich aufdrehen kann. Und das war damals ziemlich eng geworden.