Rohstoffmarkt Gold-Investments sammeln wieder mehr Geld ein

Ölpumpe und Goldmünze: Unterschiedlicher als aktuell könnte die Preisentwicklung am globalen Rohstoffmarkt kaum sein.  | © pixabay.com; Michael Steinberg

Ölpumpe und Goldmünze: Unterschiedlicher als aktuell könnte die Preisentwicklung am globalen Rohstoffmarkt kaum sein. Foto: pixabay.com; Michael Steinberg

Aneeka Gupta, Wisdom Tree

„Die Zuflüsse in Gold-ETPs in Höhe von 73,3 Millionen US-Dollar kehrten die Abflüsse der vergangenen beiden Wochen um“, berichtet Aneeka Gupta. Sie leitet bei der New Yorker Investmentgesellschaft Wisdom Tree das Research für den Aktien- und Rohstoffmarkt. Anleger hätten das aktuell niedrige Preisniveau für den günstigen Einstieg in den Goldmarkt genutzt.

Die Goldpreise beendeten das zweite Quartal bei 1.252,60 US-Dollar pro Feinunze und damit auf dem niedrigsten Stand seit beinahe sechs Monaten. Trotz der anhaltenden geopolitischen Spannungen, der Handelskriege und der Korrektur an den globalen Aktienmärkten profitierte das als sicherer Hafen geltende Edelmetall nicht von der aktuellen Risikoscheu an den internationalen Kapitalmärkten.

Abflüsse bei Rohöl-ETPs

„Eine anhaltende und langfristige Korrektur an den Aktienmärkten würde sich vermutlich günstig auf die Goldpreise auswirken“, prognostiziert Gupta. „Bislang war in diesem Jahr der starke US-Dollar infolge des von steigenden Zinsen geprägten Umfelds in den USA für den Großteil der Schwäche bei Gold verantwortlich.“

Abgezogen haben Anleger ihr Geld dagegen die zweite Woche in Folge aus Exchange Traded Products (ETPs), die Rohölpreise abbilden. „Das deutet auf Gewinnmitnahmen infolge der höheren Ölpreise hin“, kommentiert Gupta die Abflüsse in Höhe von 21 Millionen US-Dollar bei diesen börsengehandelten Rohstofftiteln. Die Ölpreise legten in der vergangenen Woche deutlich zu. Gründe dafür: weitere Angebotsausfälle, rückläufige US-Lagerbestände und Berichte über den Stopp aller US-Rohölimporte aus dem Iran.

Gold verliert gegenüber Öl

Grafik: Metals Focus

Besonders deutlich wird die unterschiedliche Preisentwicklung am Rohstoffmarkt beim Blick auf die Preistrends seit Jahresbeginn: Während der Goldpreis um etwa 4 Prozent gefallen ist, stieg der Preis pro Barrel Öl der Nordseesorte Brent um 17 Prozent. Das Preisverhältnis zwischen Gold und Brent ist in dieser Woche dadurch unter den Faktor 16 gefallen. So niedrig war der relative Preis des Edelmetalls gegenüber dem Energierohstoff zuletzt im Dezember 2014.

Laut der Londoner Beratungsgesellschaft Metals Focus könne sich die gegensätzliche Preisentwicklung kurzfristig sogar weiter fortsetzen. Allerdings halten die Londoner Marktbeobachter das Ausmaß dieses krassen Auseinanderlaufens für begrenzt. Auf lange Sicht dürfe die Kennzahl für das Preisverhältnis zwischen Gold und Öl dementsprechend wieder ansteigen. Denn der Ölpreisanstieg stoße an seine Grenzen und die Goldpreisschwäche dürfe nicht von Dauer sein.