Ross Teverson zum Handelskrieg „Bellende Hunde beißen nicht“

Ross Teverson, Jupiter AM:  „US-Präsident Donald Trump bellt lauter als er beißt.“ | © Jupiter AM

Ross Teverson, Jupiter AM: „US-Präsident Donald Trump bellt lauter als er beißt.“ Foto: Jupiter AM

Der Handelskrieg zwischen USA und China ist ein unwahrscheinliches Szenario. Trump bellt lauter als er beißt: Trotz jüngster Meldungen ist ein Handelskrieg auf breiter Front zwischen den USA und China unwahrscheinlich. Zwar beobachten wir derzeit viel protektionistische Rhetorik, aber letztlich dürfte sich ein vernünftiges Handelsabkommen zwischen beiden Ländern durchsetzen.

Handelskrieg zu gefährlich für Aktienkurse

Die von der Trump-Administration veranschlagten Zölle im Wert von 60 Milliarden US-Dollar auf chinesische Importe und die darauffolgende Retourkutsche Chinas gegenüber US-Produkten haben viele Investoren aufgeschreckt. Trotzdem halten wir es für eher unwahrscheinlich, dass es zu einem fundamentalen Handelskrieg kommt, der sich für Aktien auf beiden Seiten des Pazifiks deutlich negativ auswirken dürfte.

Mehrfach war zu beobachten, dass bei Trump nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird. Bei zahlreichen Gelegenheiten war zu beobachten, dass die Trump-Regierung mit einer Extremposition in Verhandlungen geht - vermutlich um soviel Handlungsspielraum wie möglich zu haben - und sich letztlich mit dem Gegenüber in der Mitte einigt. Vor ungefähr einem Jahr nahmen Investoren Trump beim Wort und befürchteten das Ende des nordamerikanischen Freihandelsabkommens (Nafta). Heute würden wohl die meisten Beobachter zustimmen, dass an dem vierundzwanzig Jahre alten Abkommen höchst wahrscheinlich nur kleine Anpassungen vorgenommen werden.

Tatsächlich sieht es so aus, dass China und die USA mitnichten Handelsfeinde sind. Die Handelsbeziehungen zwischen den beiden scheinen weitaus besser zu sein, als es die jüngsten Ankündigungen und die politische Rhetorik vermuten lassen. Wir haben Grund zu dieser Annahme nicht nur aus der Erfahrung aus NAFTA. Hinzu kommt, dass chinesische Vertreter bereits im Vorfeld der Schlagzeilen-Schlacht der letzten Wochen gegenüber den USA und anderen großen Volkswirtschaften mögliche Konzessionen angedeutet haben.

Verhandlungsspielraum vorhanden

Zu Beginn des Jahres brachte Chinas Vizepremier Liu He in Davos ins Spiel, dass sich die chinesische Volkswirtschaft gegenüber Produkten und Dienstleistungen aus Übersee weiter öffnen könnte. Dies würde auch den Schutz des geistigen Eigentums jener Firmen aus dem Ausland beinhalten. Dieser Aspekt wurde von Chinas Premier Li Keqiang zuletzt noch einmal wiederholt. Es sind solche Entwicklungen, die im sich anbahnenden Konflikt zwischen China und den USA beiden Seiten die Möglichkeit einräumen, das Gesicht zu wahren. Es böte für beide Länder die Chance, die negativen Auswirkungen eines eskalierenden Handelskriegs zu vermeiden.

Zu guter Letzt ist noch Folgendes anzumerken: Wie so oft, wenn es um Donald Trump geht, konzentrieren sich die jüngsten Schlagzeilen zum USA-China-Handelskonflikt auf das Wort-Case-Szenario. Aktieninvestoren sollten es allerdings vermeiden, kurzfristige Entscheidungen zu treffen, wenn es zu negativer Berichterstattung bei globalen Handelsbeziehungen kommt.

Autor Ross Teverson managt den Jupiter Global Emerging Markets Equity Unconstrained für die britische Jupiter Asset Management und ist deren Chefstratege für Schwellenländer.