Roundtable Emerging Markets „Es muss Phasen zum Durchschnaufen geben“

Die Teilnehmer des Roundtables: Uwe Röhrig, UBS; Martin Dilg, AB; Thomas Meyer, Degroof Petercam AM; Thilo Wolf, BNY Mellon IM (v.l.) | © Lutz Sternstein

Die Teilnehmer des Roundtables: Uwe Röhrig, UBS; Martin Dilg, AB; Thomas Meyer, Degroof Petercam AM; Thilo Wolf, BNY Mellon IM (v.l.) Foto: Lutz Sternstein

DAS INVESTMENT: Der frisch gewählte US-Präsident Donald Trump hatte zum Amtsantritt Ende vergangenen Jahres eine knallharte protektionistische US-Wirtschaftspolitik angekündigt. Das hatte seinerzeit bei Emerging-Markets-Investoren für hohe Nervosität gesorgt. Wie sieht die Situation heute aus?

Uwe Röhrig UBS
Uwe Röhrig, Managing Director,
Senior Equity Specialist,
UBS Asset Management,
Foto: Lutz Sternstein

Uwe Röhrig: Das Thema ist sicherlich etwas vom Radar verschwunden, „America First“ bleibt allerdings natürlich weiter ein latentes Risiko. Doch hat die US-Administration zurzeit andere Prioritäten – beispielsweise die Steuerreform.

Martin Dilg: Wir sind darüber hinaus der Auffassung, dass sich die Emerging Markets bereits mehr und mehr von den wirtschaftlichen Entwicklungen in den Industrieländern lösen können. Zumindest wächst dort die Binnennachfrage stark. Und dieser Emanzipationsprozess ist ja auch nicht zuletzt an den zunehmenden Emissionen in Lokalwährungen ablesbar.

Thilo Wolf: Man sollte das Thema differenziert betrachten. Indien etwa wurde durch den großen Heimatmarkt vom Wahlausgang in den USA kaum beeinflusst. Für den mexikanischen Peso wiederum hatten die angekündigten Trumponomics zwischenzeitlich große Effekte. Andererseits: Wenn man einen aktiven Asset-Manager mandatiert hatte, konnte dieser auch während der Schockwelle in Mexiko attraktive Titel finden, zum Beispiel im Bereich Konsumgüter.

Thomas Meyer: Man muss sich klarmachen, dass ein aktiver Manager auf diese Unterschiede in seiner Investmentstrategie viel stärker Rücksicht nehmen kann als derjenige, der am Index klebt. Was wir auch beachten müssen: Im kommenden Jahr stehen in den USA die Kongresswahlen an. Im Vorfeld wird Donald Trump mit Sicherheit dafür sorgen, dass sein Twitter-Account glüht.

China gilt als wichtigster Schwellenländermarkt. Inwiefern ist Ihr Portfolio denn vom Wohl und Wehe der chinesischen Konjunktur abhängig?

Röhrig: China ist mit einem Gewicht von 28 Prozent der größte Markt im Global Emerging Markets Index. Ein aktiver Manager hat die Möglichkeit deutlich vom Index abzuweichen. Wir investieren zum Beispiel weniger in die großen Staatsbetriebe, sondern bauen auch gezielt Positionen in Privatunternehmen auf, die von den   Veränderungen zu mehr Konsum, Gesundheit, Financial Services und Technologie stärker profitieren können.

Thilo Wolf BNY
Thilo Wolf, Country Head Germany,
BNY Mellon Investment Management, Foto: Lutz Sternstein

Wolf: Der chinesische Aktienindex ist stark Old-Economy-abhängig, mit starker Gewichtung etwa von Staatsbetrieben und Finanzdienstleistern. Das China-Exposure unserer globalen Emerging-Markets-Aktienstrategie konnte den chinesischen Markt in diesem Jahr bereits um rund 9 Prozent outperformen. Der Grund hierfür: unsere Fondsmanager haben vorrangig in Unternehmen aus dem Bereich E-Commerce oder Bio-Technologie investiert, die eine ganz andere Wachstumsphantasie und -dynamik mitbringen.

Dilg: Ich bin kein absoluter China-Verfechter, aber beispielsweise bei Indien kann man im Vergleich nicht wirklich erkennen, was in der nächsten Zeit passieren wird. Nehmen wir das Thema Korruption, oder dass quasi über Nacht die Geldscheine ausgetauscht werden – solcherlei Dinge gibt es in China nicht. Und es kommt die größere Planbarkeit mit den Fünfjahresplänen der chinesischen Staatsregierung hinzu.