Roundtable: „Hedgefonds sind keine Zigaretten“

Die Roundtable-Teilnehmer (v.li.): Thomas Polach, Markus <br>Sievers, Klaus-Dieter Erdmann, Tom Wede, Eckhard Sauren,<br>Günther Kastner und Michael Geier (Fotos: Jo Schwartz).

Die Roundtable-Teilnehmer (v.li.): Thomas Polach, Markus
Sievers, Klaus-Dieter Erdmann, Tom Wede, Eckhard Sauren,
Günther Kastner und Michael Geier (Fotos: Jo Schwartz).

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DAS INVESTMENT.com: Die erste Generation von Absolute-Return-Fonds kam nach dem Platzen der Dotcom-Blase vor zehn Jahren auf den Markt. Schon damals versprachen die Produkte dem Anleger, in jeder Marktphase profitieren zu können. Das ging vielfach daneben – woran lag’s?

Eckhard Sauren:
Die erste Produktgeneration hat versucht, mittels eines diversifizierten Portfolios in unterschiedlichen  Anlageklassen absolute Erträge zu erzielen.Anderes war Publikumsfonds seinerzeit auch nicht erlaubt. Um weitgehend marktunabhängige Strategien aufzusetzen, muss jedoch die Möglichkeit bestehen, auch Short-Positionen eingehen zu können. Diese Möglichkeit wurde erst 2007 für Ucits-Fonds durch die EU geschaffen. Der Anspruch bei der neuen Generation der Absolute-Return-Fonds muss sein, tatsächlich eine attraktive Rendite zu generieren.

DAS INVESTMENT.com:
Noch aber herrscht im Markt Unklarheit über die Begriffe.

Markus Sievers: Total-Return-Ansätze waren früher eher zinsorientierte Strategien, Absolute Return kommt vom Grundgedanken her aus der Hedgefonds-Welt. Das wurde dann zum Modethema, jeder Anbieter wollte einen Fonds mit „Return“ im Namen haben. Da mischte sich dann eine Menge darunter, was per Definition nie etwas Hedgefonds-Ähnliches war – oder nur mit angezogener Handbremse.

Günther Kastner: Bei Total Return geht es darum, Erträge zu sammeln, und Absolute Return ist der Versuch, Hedgefonds-Strategien mit dem Ucits-Mantel etwas softer verkaufen zu können. Hedgefonds ist ja ein Wort, das mittlerweile etwas belastet ist. Absolute Return heißt in unserer Definition, dass man nicht indexgebunden ist – dass also der Manager versucht, mit aktiver Portfoliogestaltung und wenig Korrelation die Märkte zu schlagen.

DAS INVESTMENT.com: Wäre es gut, Absolute-Return-Konzepte im Fondsnamen auftauchen zu lassen?

Michael Geier: Das stelle ich mir schwierig vor. Viele Wege führen nach Rom. Ob man über Managed Futures oder Aktien long oder short zu absoluten Erträgen kommt, ist doch am Ende einerlei. Der Anleger dürfte aber in der Regel bereits überfordert sein zu beurteilen, was es heißt, wenn ein Fonds mit Absolute Return bezeichnet ist. Das dann noch weiter zu verkomplizieren, führt wohl in die gänzlich falsche Richtung. Vor Kurzem hat Morningstar eine ganze Reihe von neuen Unterkategorien für Absolute-Return-Fonds gebildet. Das trägt beim Endkunden eher noch zur Verwirrung bei.

Tom Wede: Für den Anleger ist doch nur wichtig, dass er weiß, dass der Fondsmanager langfristig gezeigt hat, dass er positive Erträge erzielen konnte und der Drawdown nicht zu stark war. In den Jahren 2007 und 2008 konnte man sehen, dass viele vermeintliche Hedgefonds-Konzepte eigentlich nichts anderes als verkappte Aktienfonds waren oder solche, die in illiquiden Assets investiert gewesensind. Das ist meines Erachtens Etikettenschwindel. Der Kunde muss sicher sein können, nicht eines Tages mit minus 20 Prozent dazustehen, obwohl das Produkt anders vermarktet wurde.