Rücklagenfonds: Aktives Risikomanagement ist Pflicht

Sven Marzahn

Sven Marzahn

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DAS INVESTMENT.com: Herr Marzahn, wo schlummern heute die Risiken von Investments in Anleihen?

Marzahn: Es gibt Risiken sowohl auf der Makro- als auch der Mikroebene. Auf der Makroebene besteht das Risiko beispielsweise darin, dass der Zins einer Anleihe Sie nicht mehr ausreichend für übernommene Inflationsrisiken und antizipierte politische Risiken entschädigt. Auf der Mikroebene, also dem Bereich des Einzelinvestments, ist das Hauptrisiko weiterhin die Bonität des Schuldners, gefolgt von Zinsänderungs-, und gegebenenfalls Währungsrisiken.

DAS INVESTMENT.com: Vor dieser Situation stehen doch alle Rentenfonds. Wie genau gehen Sie vor?

Marzahn: Wir verstehen uns als Finanz-Handwerker und gehen strukturiert unter Nutzung der klassischen Instrumente vor. Erstens werden im Rücklagenfonds Zinsänderungsrisiken über den Verkauf der entsprechenden Zinsterminkontrakte laufzeitadjustiert neutralisiert. Zweitens sichern wir Wechselkursrisiken von Fremdwährungsanleihen konsequent gegen den Euro ab. Entweder durch rollierende Devisenforwards oder auf Endfälligkeit. Das Emittenten-Risiko schließlich, kontrollieren wir analytisch und strukturell.

DAS INVESTMENT.com: Das heißt?

Marzahn:
Eine Absicherung über Derivate wie Ausfallversicherungen führen wir nicht durch. Vielmehr liegt hier der Schwerpunkt auf strukturellen Vorgaben der Schuldner- und Anleihequalität. Beispielsweise ist die Zugehörigkeit des Emittenten zu einem Haftungsverbund wie Sparkassen, Volksbanken, oder Raiffeisenbanken im deutschsprachigen Raum ein wichtiges Kriterium. Weiterhin sind zusätzlich besicherte Anleihen klar im Fokus. Schuldnerqualitäten werden fortlaufend analysiert, wobei wir den politischen Rahmenbedingungen und Wahrscheinlichkeiten einen höheren Stellenwert einräumen als allgemein üblich. Da ist es von Vorteil, Politikwissenschaftler im Team zu haben.      

DAS INVESTMENT.com: Das erklärt aber kaum die Outperformance seit Fondsauflage. Was macht den Unterschied? Oder war es auch ein bisschen Glück?

Marzahn: Glück nehmen wir gern mit. Aber man hat es oft nicht, wenn man es braucht. Nein, auch hier gibt es nur wenige Geheimnisse. Die Outperformance speist sich aus drei Quellen: Zum einen suchen und finden wir regelmäßig hochwertige Anleihen, die objektiv schlichtweg zu günstig sind. Das kann verschiedene Ursachen haben: Verkaufsdruck von anderen Marktteilnehmern, Informationsdefizite oder „schiefe“ Angebots-/Nachfragekurven in bestimmten Währungen oder Kreditprodukten sind nur einige.

DAS INVESTMENT.com: Da wird es schnell technisch. Verstehen das Ihre Investoren?

Marzahn: Es ist weniger kompliziert als es sich vielleicht anhört. Ich gebe Ihnen zwei Beispiele: Wenn eine deutsche Landesbank identische Anleihen in Euro und US-Dollar am Markt hat und die Rendite sich um mehr als 2 Prozent unterscheidet, wird sehr schnell deutlich, dass eine Währungsabsicherung den Zinsvorteil nicht „auffrisst“ und eine schöne Zusatzmarge übrig bleibt. Oder wenn eine systemrelevante zentraleuropäische Bank auch mal Anleihen mit einer italienischen ISIN emittierte und diese dank dieses einzigen Unterschiedes deutlich über den mit deutscher ISIN „ausgestatteter“ Anleihen des gleichen Hauses rentieren, kommt schon Freude auf.