Rumänien auf Wachstumskurs Mit großen Schritten zum Euro

Rumänische Frauen laufen an einer Wechselstube in Bukarest vorbei: Rumäniens Ziel ist es, bis 2019 den Euro zu übernehmen. (Foto: Getty Images)

Rumänische Frauen laufen an einer Wechselstube in Bukarest vorbei: Rumäniens Ziel ist es, bis 2019 den Euro zu übernehmen. (Foto: Getty Images)

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Das Wirtschaftswachstum in Rumänien hat das der meisten anderen europäischen Länder im letzten Jahr überholt. Unserer Meinung nach wird die rumänische Wirtschaft mit ähnlichem oder sogar höherem Tempo als den 2,8 Prozent Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2014 weiter wachsen. Rumänien hat Zugang zu Strukturfonds der Europäischen Union (EU). Diese sind die mitunter wichtigsten Instrumente der EU zur Förderung nachhaltigen Wirtschaftswachstums bei gleichzeitigem Abbau von Ungleichgewichten zwischen den Regionen der EU. Wir sind überzeugt, dass das zukünftige Wachstum in Rumänien weitgehend von der Absorption dieser EU-Mittel abhängen wird. Sie sind signifikante Finanzierungsquellen für aktuelle und zukünftige Projekte, aber auch für staatliche Investitionen in dringend erforderliche Infrastrukturprojekte.

Viele Prognosen für Rumänien sind derzeit vielversprechend. Schätzungen der Weltbank zufolge wird die Wirtschaft Rumäniens in den Jahren 2015 bis 2017 mit durchschnittlich 3 Prozent pro Jahr wachsen. Treiber ist die starke Binnennachfrage.

Wir denken, eine neue Kreditvereinbarung mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) dürfte dem Wirtschaftswachstum in Rumänien ebenfalls zugutekommen. Denn sie würde die finanzielle Stabilität des Landes verbessern. Gleichzeitig wäre sie mit einer Beaufsichtigung der Implementierung von Strukturreformen verbunden.

Rumänien hat bereits umfassende haushaltspolitische Anpassungen vorgenommen, vor allem durch Kosteneinsparungen und Steuersenkungen. Der Premierminister kündigte Anfang April 2015 an, die Mehrwertsteuer für alle Lebensmittel und nichtalkoholischen Getränke werde ab dem 1. Juni 2015 von 24 Prozent auf 9 Prozent gesenkt. Auch die Mehrwertsteuer für alle anderen Produkte wird zum 1. Januar 2016 von 24 Prozent auf 20 Prozent gesenkt.

Die Ratingagentur Standard & Poor’s bestätigte kürzlich das Rating Rumäniens für kurz- und langfristige Auslandsschulden als BBB-/A-3 (das niedrigste Investment-Grade Rating) mit stabilem Ausblick. Standard & Poor’s schätzt, dass die rumänische Wirtschaft zwischen 2015 und 2018 aufgrund des zunehmenden Binnenkonsums mit durchschnittlich etwa 3 Prozent pro Jahr wachsen wird.

Obwohl die Verschuldung Rumäniens gegenüber dem Bruttoinlandsprodukt zwischen 2006 und 2007 erheblich gestiegen ist, bewegt sie sich immer noch auf einem gemäßigten Niveau von etwa 40 Prozent. Der Binnenkonsum stieg signifikant und wir konnten ein starkes Exportwachstum in Rumänien beobachten. Unserer Meinung nach sind die Wachstumsaussichten für 2015 gut, obwohl die Investitionen immer noch zurückbleiben. Wie beim Wirtschaftswachstum allgemein wird jedoch auch die Investitionslage zum Teil von einer besseren Absorption der EU-Mittel unterstützt. Rumänien verzeichnete außerdem in den ersten beiden Monaten des Jahres 2015 einen Leistungsbilanzüberschuss von 285 Millionen Euro. Dem steht ein Leistungsbilanzdefizit in Höhe von 201 Millionen Euro während des gleichen Zeitraums 2014 gegenüber.

Als positiven Faktor für Anleger sehen wir auch den fortwährenden Kampf der rumänischen Regierung gegen die Korruption, der in den letzten Monaten noch intensiviert wurde.

Fortschritte im Bereich Privatisierungen

Wir finden die Privatisierungsmaßnahmen in Rumänien ermutigend. So erfolgten erst vor kurzem Börsengänge einiger größerer staatlicher Unternehmen aus dem Energiesektor an der Bukarester Börse. Einige dieser Unternehmen werden über globale Depository Receipts (GDR) auch an der Londoner Börse notiert. Es werden für die Zukunft noch weitere Börsengänge erwartet, darunter auch der eines großen rumänischen Erzeugers hydroelektrischer Elektrizität.

Rumänien gilt laut dem Indexanbieter MSCI derzeit als Grenzmarkt. Offizielle Stellen in Rumänien scheinen jedoch entschlossen, die Veränderungen umzusetzen, die erforderlich sind, um auf Schwellenmarktstatus hinaufgestuft zu werden. Wir sehen die Bestrebungen der rumänischen Regierung zur weiteren Verbesserung ihrer Kapitalmärkte positiv. Es gibt mehrere Initiativen der Regierung, der lokalen Börse, der Stelle zur Marktregulierung und diverser anderer Beteiligten am rumänischen Kapitalmarkt zur Beschleunigung der Entwicklung dieses Marktes. Eine konkrete Initiative hat zum Ziel, acht Barrieren zur Entwicklung der Kapitalmärkte zu identifizieren und zu beseitigen. In Verbindung mit einer anderen Initiative, die von der den Markt regulierenden Finanzaufsichtsbehörde auf den Weg gebracht wurde, haben die Programme zum Ziel, Anlegern den Zugang nach Rumänien zu erleichtern.

Rumänien hat einen äußerst ehrgeizigen Corporate Governance Kodex für staatliche Unternehmen eingeführt. Dieser hat bei mehreren Unternehmen zu positiven Resultaten geführt, beispielsweise verbesserte Finanzleistung, bessere operative Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit sowie höhere Transparenz und Rechenschaftspflicht des Managements und von Vorständen. Unserer Meinung nach müssen diese Bestrebungen zur Stärkung der Corporate Governance fortgesetzt werden. Denn sie spielt bei der Optimierung der Leistungsfähigkeit staatlicher Unternehmen eine wichtige Rolle und gibt potenziellen Anlegern das Vertrauen, dass staatliche Betriebe sich auf einem nicht umkehrbaren Weg der Umstrukturierungen befinden.

Staatliche Betriebe sind ein wichtiger Aspekt der rumänischen Wirtschaft. Der Prozess der Effizienz- und Rentabilitätsverbesserung muss unserer Meinung nach fortgesetzt werden. Wir sehen die Umsetzung von Corporate Governance Standards als einen Schritt in die richtige Richtung. Bei der Unabhängigkeit von Vorständen, der Professionalität von Managern und Börsengängen sind jedoch noch dringend Verbesserungen erforderlich.