Russland-Ukraine Krise „Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, über den Kauf europäischer Aktien nachzudenken“

Die Auswirkungen der gegenseitig verhängten Handelssanktionen spiegeln sich in den aktuellen BIP-Zahlen Europas wider. (Foto: Handout, Getty Images)

Die Auswirkungen der gegenseitig verhängten Handelssanktionen spiegeln sich in den aktuellen BIP-Zahlen Europas wider. (Foto: Handout, Getty Images)

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Die Krise in der Ukraine und die daraus resultierenden Spannungen zwischen Russland und dem Westen währen fort, ohne dass bisher eine dauerhafte Lösung gefunden werden konnte. Viele Anleger reagierten hierauf mit einem Rückzug aus europäischen Unternehmen, die in Russland engagiert sind.

Aber trotz immer mehr Belegen dafür, dass die Krise in der Ukraine auch in vielen europäischen Ländern ihren Preis fordert, wäre es meiner Meinung nach für langfristige Anleger unklug, sich aus Europa zurückzuziehen.

Eine solide Dynamik bei den Unternehmensumsätzen, hohe Dividendenrenditen und die Möglichkeit einer zusätzlichen Unterstützung durch die Europäische Zentralbank (EZB)  - das sind nur einige der Gründe dafür, warum ich zuversichtlich bleibe, dass die Erholung in Europa wieder einsetzen wird, wenn die Krise erst einmal vorüber ist. Krise in der Ukraine lässt BIP-Zahlen in Deutschland schwächeln

Die Wirtschaftsdaten der letzten Wochen aus der Eurozone waren enttäuschend. Es besteht überhaupt kein Zweifel daran, dass der Konflikt in der Ukraine hierzu einen Beitrag geleistet hat. Die Schwäche wurde insbesondere in den jüngsten Bruttoinlandsprodukt-Zahlen (BIP) der Eurozone für das zweite Quartal deutlich, insbesondere jenen aus Deutschland. Als größte Volkswirtschaft Europas gilt Deutschland als Motor der Konjunkturerholung in der Region.

Das BIP-Wachstum der Eurozone während des zweiten Quartals war im Vergleich zum vorherigen Quartal insgesamt neutral. Dies entsprach nicht den Erwartungen eines weiteren Wachstums und führte zur Sorge, die Konjunkturerholung in der Eurozone sei ins Stocken geraten. Deutschlands BIP lag im zweiten Quartal allgemein überraschend 0,2 Prozent niedriger. Da die deutsche Wirtschaft mit eine der am stärksten von Russland abhängigen ist, denke ich, dies lässt sich direkt mit den Spannungen zwischen Russland und der Ukraine in Verbindung bringen.

Handelssanktionen wirken sich längerfristig aus


Die Daten der Eurozone für das dritte Quartal dürften ebenfalls schwach ausfallen. Grund hierfür sind zum Teil die gegenseitigen, strengen Handelssanktionen, die Russland und der Westen - die USA und Westeuropa, einschließlich Deutschland - gegeneinander verhängt haben. Es lässt sich bereits eine enttäuschende Auftragslage in der Industrie beobachten, und deutsche Unternehmen setzen Expansionspläne aus. Die Kapitalausgaben in Deutschland waren niedrig. Das Vertrauen der Unternehmen im Land ist insgesamt angeschlagen.

Unserer Ansicht nach besteht daher die Möglichkeit, dass sich die erwartete Erholung der europäischen Wirtschaft verzögern wird – insbesondere im Fall einer Eskalation der politischen Spannungen. EZB will Märkte in Krise unterstützen 

Wir glauben aber, dass es eine Reihe anderer Entwicklungen gibt, die die Märkte potenziell etwas unterstützen könnten – selbst wenn die Krise fortwährt. Zunächst hat die EZB ihre Bereitschaft demonstriert, falls nötig mit noch viel aggressiveren geldpolitischen Maßnahmen, einschließlich quantitativer Lockerungsmaßnahmen, einzugreifen. Ich erwarte auch eine weitere Schwäche des Euro. Diese dürfte die europäische Wirtschaft stützen, da die Exporte aus Europa konkurrenzfähiger werden würden.

Obwohl die Lage in der Ukraine derzeit besorgniserregend erscheint, kann sich Russland meiner Meinung nach eine länger währende Krise nicht leisten. Die russische Wirtschaft bewegt sich auf eine Rezession zu oder befindet sich sogar schon in einer. Die verloren gegangene Produktivität aufgrund westlicher Sanktionen in Verbindung mit Lieferengpässen und höheren Verbraucherpreisen, die die Russen nun zu bezahlen haben, könnten mit der Zeit zu einem Schwinden der Unterstützung für Präsident Putin führen.

Gegenseitige Abhängigkeit gibt Hoffnung auf ein Ende des Konflikts


Noch wichtiger ist folgendes aus meiner Sicht: Es ist sowohl in Russlands als auch in Europas langfristigem Interesse, diesen Konflikt zu beenden. Denn beide brauchen, was der jeweils andere hat. Russland muss seine auf Ressourcen beruhende Wirtschaft entwickeln und kann ohne europäisches Kapital und europäische Technologien seine Öl- und Gasfelder nicht erschließen.

Europa braucht russisches Gas für seine Kraftwerke. Präsident Putin ist sich dessen genau bewusst. Ich glaube daher, dass diese Krise aller Wahrscheinlichkeit nach friedlich gelöst werden wird – möglicherweise noch vor Ende des Jahres. Denn es gibt meiner Meinung nach keine andere tragbare Lösung.