Schäubles Regulierungsentwurf: „Ende der Unabhängigkeit im Vertrieb geschlossener Fonds“

Eric Romba

Eric Romba

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DAS INVESTMENT.com: Liest man Ihre Stellungnahme zum Diskussionsentwurf, bekommt man den Eindruck, dass man seitens der Politik dem VGF nicht zuhört. Eric Romba: Im Gegenteil, man hört uns sehr genau zu. Wäre vieles vom Angedachten und Geplanten in das Gesetz gekommen, was wir in den Vorgesprächen erörtert haben, sähe der Gesetzentwurf noch weitaus schlimmer aus. Wir können durchaus zufrieden sein mit manchem, was wir bis heute erreicht haben. DAS INVESTMENT.com: Auch damit, dass geschlossene Fonds Finanzinstrumente werden sollen?
Romba: Nein, das wollen wir natürlich nicht. Wir unterstützen die anlegergerechte Beratung und die Protokollpflicht. Die Finanzinstrument-Debatte geht aber in die völlig falsche Richtung. Der aufsichtsrechtliche Aufwand würde zum massiven Unternehmenssterben führen. Die Einstufung von geschlossenen Fonds nach dem Kreditwesengesetz ist zudem rechtlich nicht stringent. Geschlossene Fonds sind keine Wertpapiere, sondern investieren in reale Werte. Auch wäre ein Haftungsdach für den Vertrieb eher kontraproduktiv. DAS INVESTMENT.com: Weil der Berater dann bei der Produktauswahl nicht mehr frei wäre? Romba: Ja. Wenn ein Haftungsdach keine Open Architecture bietet, wäre das de facto das Ende der Unabhängigkeit und ein Bärendienst für den Anlegerschutz. Dabei ist dem Gesetzgeber bekannt, wie es zum Beispiel um die eingeschränkte Produktpalette und den Margendruck im Bankenvertrieb bestellt ist. Politisch soll ausdrücklich die Pluralität bei Produkten und Beratung gefördert werden, der Koalitionsvertrag trifft dazu definitive Aussagen. Und spätestens beim Kabinettsentwurf werden dies die politischen Entscheider einfordern. DAS INVESTMENT.com: Haben die Banken die effizientere Lobbyarbeit geleistet? Immerhin gibt es unter ihnen Befürworter des Entwurfs. Romba: Lobbyarbeit geschieht in der Regel im Interesse einer gesamten Branche und ist nicht gegen einzelne Marktteilnehmer gerichtet. Die internen Papiere der bei der Regulierung eingebundenen Banken lassen darauf auch keinen Rückschluss zu. Dass einige ihre Sichtweise um 180 Grad verändern, ist wohl der Opportunität der Situation geschuldet. DAS INVESTMENT.com: Wie stehen Sie zur geplanten Offenlegung der Provisionen? Romba: Das ist unkritisch, die Provision wird für eine Beratungsleistung nach dem Prinzip Value for Money gezahlt.