Schlechte Zeiten für erneuerbare Energien

Stephan Albrech, Vorstand der Albrech & Cie Vermögensverwaltung

Stephan Albrech, Vorstand der Albrech & Cie Vermögensverwaltung

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Gutes Gewissen und Gier können eine unheilvolle Allianz eingehen. Insbesondere dann, wenn sie sich mit Unerfahrenheit und Unwissen paaren.

Diese Kombination wird vielen Anlegern zum Verhängnis, die sich auf Aktien und Anleihen von Öko-Unternehmen gestürzt haben und denen nun die Rechnung präsentiert wird. Jüngstes Beispiel ist der insolvente Windanlagenfinanzierer Prokon.

An solchen Kapitalvernichtungen ist der Staat nicht ganz unschuldig, denn er setzt manchen Anreiz falsch. Die Ratingagentur Scope brachte es vor Kurzem an den Tag. Bereits 14 mittelständische Emittenten können seit dem Jahr 2010 ihre Anleihen nicht mehr bedienen.

Drei Viertel davon stammen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien. Vor allem aus der Photovoltaik.

2012 erwischtes es den Kraftwerkeplaner Solar Millenium. Die Anleger verlieren 200 Millionen Euro. Im Jahr darauf kam der Anlagenbauer Solarworld an die Reihe, bei dem vor allem Aktionäre, aber auch die Gläubiger bluten mussten.

Stürmische Zeiten für Windreich und Prokon


Kurz darauf blies der Windbranche der Sturm ins Gesicht. So übernahm sich der Windpark-Entwickler Windreich offenbar mit seinen Projekten, was dazu führte, dass die Anleger, die 125 Millionen Euro in zwei Anleihen investiert hatten, um ihr Erspartes bangten. Ende 2013 notierten die Anleihen bei nur noch zehn Prozent des Ausgabepreises.

Nun ist Prokon, ebenfalls ein Finanzier von Windanlagen, der bislang letzte Pleitekandidat. Allerdings ist die Dimension deutlich größer als beim Vorgänger. Das Unternehmen aus Itzehoe hat vor allem bei Kleinanlegern 1,4 Milliarden Euro über Genussrechte eingesammelt, die jetzt im Feuer stehen.

Je niedriger die Zinsen, desto leichter das Spiel


Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es geht hier nicht um eine pauschale Verteufelung von Öko-Investments. Zum einen stammt ein gutes Viertel der ausgefallenen Mittelstandsanleihen nicht aus diesem Sektor. Zum anderen gibt es sehr wohl rentable Optionen, um sich an der Energiewende zu beteiligen.

Es geht vielmehr um Anleger, die mit gutem Gewissen – und in dem Glauben, es könne ihnen nichts passieren, weil die Energiewende sozusagen zum Staatsziel ausgerufen wurde –  ihre Ersparnisse in Unternehmen investieren, obwohl diesen kaum eine Bank Kredite gewährt.

Und es geht um solche Unternehmen, die in einem Niedrigzinsumfeld, das den Staaten mehr als gelegen kommt, leichtes Spiel damit haben, Anleger mit Zinsversprechen von 6 Prozent und mehr im Jahr zu ködern.