Definition, Interpretation, Marktlage 5 Fragen und Antworten zur Solvenzquote

Andreas Köchl befreit seinen Eingangsbereich von Schlamm und Unrat: Am 2. Juni 2016 kam es im niederbayerischen Simbach am Inn zu einer Flutkatastrophe, die Schäden gingen in die Milliarden. Das neue Eigenmittelregime Solvency II soll sicherstellen, dass die Versicherer auch Extremszenarien wie schwere Naturkatastrophen überstehen können | © Getty Images

Andreas Köchl befreit seinen Eingangsbereich von Schlamm und Unrat: Am 2. Juni 2016 kam es im niederbayerischen Simbach am Inn zu einer Flutkatastrophe, die Schäden gingen in die Milliarden. Das neue Eigenmittelregime Solvency II soll sicherstellen, dass die Versicherer auch Extremszenarien wie schwere Naturkatastrophen überstehen können Foto: Getty Images

Achtung, es gibt Zeugnisse. So könnte man die erwartungsgeladene und leicht nervöse Stimmung in der Versicherungsbranche am 22. Mai 2017 zusammenfassen. Denn an diesem Tag mussten gut 350 deutsche sowie mehrere Tausend europäische Versicherer erstmals ihren „Bericht zur Solvabilität und Finanzlage“ (Solvency and Financial Condition Report, SFCR) im Rahmen des neuen EU-Eigenmittelregimes SolvencyII vorlegen.

Dieser Bericht soll erste Anhaltspunkte darüber geben, wie stabil und finanzstark ein Versicherer dasteht und wie hoch seine Puffer sind. Besonders auf die 84 deutschen Lebensversicherer war dabei ein kritischer Blick gerichtet. Schließlich haben sie wegen ihrer zum Teil noch hohen Garantien derzeit besonders unter dem Niedrigzinsumfeld zu leiden, was sich auch auf ihre Finanzstärke auswirken kann. Wie haben die Versicherer aber abgeschnitten? Und kann man sie nun ganz einfach untereinander vergleichen? Hier kommt die Auflösung.

1. Warum müssen die Versicherer diesen Report vorlegen?

Seit Januar 2016 gilt das neue europäische Aufsichtsregime Solvency II. Hauptziel dieser Richtlinie ist es, die Pleite von Versicherern zu verhindern und sicherzustellen, dass die Unternehmen ihre Zusagen an die Kunden auch unter extremen Umständen erfüllen können.

Im Mittelpunkt steht daher das Risiko eines Versicherers: Je höhere Risiken er eingeht, desto mehr Eigenkapital muss er auch vorhalten. Heißt etwa: Legt ein Versicherer das Geld seiner Kunden vor allem in Aktien an, muss er dafür mehr Puffer bereithalten als einer, der vor allem Anleihen kauft. Oder hat ein Versicherer einen großen Bestand an klassischen Lebensversicherungen mit hohen, sehr langfristigen Garantien, ist mehr Reserve nötig als bei einem Anbieter, der hauptsächlich Fondspolicen ohne Garantien im Portfolio hat, bei denen das Risiko vor allem der Kunde trägt. Auch neu: Die Versicherer müssen nun regelmäßig einmal im Jahr der Öffentlichkeit und der Finanzaufsicht berichten, wie es um ihre Kapitalausstattung, Kapitalanlagen und Risikokalkulation bestellt ist. Der erste Bericht dieser Art, eben der „Solvency and Financial Condition Report“, war nun am 22. Mai fällig. Eine kurze Lektüre beschert einem der Report dabei nicht. Die Werke sind oft um die 100 Seiten stark. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem die sogenannte Bedeckungs- oder Solvenzquote. Was uns gleich zur nächsten Frage bringt.