„Schon lange überfällig“: Stimmen aus der Türkei zur Heraufstufung durch Moody's

Junge Menschen feiern den Jahrestag des Unabhängigkeitskriegs vor dem Mausoleum des Staatsgründers Mustafa Kemal Ataturk am 19. Mai in Ankara. Quelle: AFP/Getty Images

Junge Menschen feiern den Jahrestag des Unabhängigkeitskriegs vor dem Mausoleum des Staatsgründers Mustafa Kemal Ataturk am 19. Mai in Ankara. Quelle: AFP/Getty Images

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Türkische Staatsanleihen verlassen nach und nach den Ramschpapier-Status. Am Freitag hob die Ratingagentur Moody’s ihre Bewertung für türkische Regierungspapiere um eine Stufe auf Baa3. Damit gelten türkische Anleihen als „durchschnittlich gute Anlage“ (Investment Grade). Im November vergangenen Jahren stufte bereits Moody’s Konkurrent Fitch Türkei auf Investment Grade herauf.

„Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung der Türkei war das schon lange überfällig“, kommentiert der stellvertretende türkische Energieminister Hasan Murat Mercan. Das Bruttoinlandprodukt kletterte 2010 und 2011 jeweils um mehr als 8 Prozent; lediglich 2012 waren es – auch wegen der Schuldenkrise in Europa – nur noch 2,2 Prozent.

Sechstgrößte Volkswirtschaft in der EU, eine große und überwiegend junge Bevölkerung mit einem Anteil von 40 Prozent an Unter-25-Jährigen und einem Durchschnittsalter von 29 Jahren, eine Arbeitslosenquote, die seit der Finanzkrise 2008 dramatisch gesunken ist und nun mit knapp 10 Prozent unter dem EU-Durchschnitt liegt, zählt Can Yurtcan, Geschäftsführer und Research-Chef von Erste Securities Istanbul die Vorzüge seines Heimatlandes auf. Auch die Nachfrage nach Konsumgütern sei hoch: Mittlerweile macht der Konsum 66 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes aus.

Darüber hinaus seien türkische Arbeitnehmer gut ausgebildet, so Yurtcan weiter. Laut dem IMD World Competitiveness Center (WCC) belegt das Land am Bosporus beim Anteil qualifizierter Arbeitnehmer weltweit den sechsten Platz. Im Bezug auf Finanzkenntnisse schaffen es türkische Arbeitnehmer auf den vierten Platz. Beim Anteil qualifizierter Ingenieure ist das Land am Bosporus sogar Weltdritter; damit haben nur Deutschland und Frankreich mehr gut ausgebildete Ingenieure als die Türkei.

Das zeigt sich auch in den Export-Statistiken: Industriemaschinen und andere Produkte der Ingenieurstechnik machen rund 12 Prozent der gesamten türkischen Exporte aus. Der Hauptabnehmer ist mit 16 Prozent Deutschland, gefolgt von Großbritannien (7 Prozent), den USA (6 Prozent) und Frankreich (5 Prozent). Damit zählt der Erste-Research-Chef den Maschinenbau zu den interessantesten Wirtschaftssektoren in der Türkei.

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Als Energiemarkt belegt Türkei trotz eines vergleichsweise geringen Pro-Kopf-Stromverbauchs EU-weit den sechsten Platz. Der Ausbau erneuerbarer Energien schreitet voran – Wasser-Energie macht mittlerweile rund 40 Prozent des türkischen Energiemix aus. Aber auch die Atomenergie wird ausgebaut. „Von den Protesten gegen die Atomenergie, die nach der Fukushima-Katastrophe in Deutschland aufgeflammt sind, haben wir in der Türkei nicht viel mitbekommen“, sagt Yurtcan.

Laut dem stellvertretenden Energieminister Mercan plant die Türkei den Bau von drei Atomkraftwerken in den kommenden zehn Jahren. „Derzeit werden mehr als 70 Prozent des türkischen Energiebedarfs durch Importe abgedeckt“, erklärt Mercan. Doch damit soll Schluss sein, sobald die geplanten Kraftwerke ans Netz gehen.