Schroders-Analyst „Statische Renten-Strategien werden es schwer haben“

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In welchen Anleihesegmenten sehen Sie aktuell eindeutige Anzeichen einer Blase? Oder anders: Von welchen Segmenten sollten sich Investoren aufgrund eines signifikanten Rückschlagpotenzials auf absehbare Zeit fernhalten?

Daniel Lösche: Die Interventionen der großen Zentralbanken in den letzten Jahren haben das Umfeld am Anleihenmarkt grundlegend verändert und die Renditen und Risikoprämien in vielen Anleihesegmenten auf historische Tiefststände gedrückt. Diese Entwicklung bringt neben der Schwierigkeit attraktive Renditen ausfindig zu machen, erhebliches Rückschlagpotenzial durch gestiegene Durations- und Ausfallsrisiken mit sich. Da dieses Umfeld unserer Meinung nach voraussichtlich noch längere Zeit bestehen bleiben wird, ist es wichtig, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen.

So ist es grundlegend, nicht alleine dem breiten Markt zu folgen, sondern selektiv zu betrachten, welche Bereiche noch attraktive Rendite-Risiko-Profile oder Diversifikationseigenschaften mit sich bringen. Weltweit bieten sich nach wie vor noch interessante Opportunitäten. So schauen Investoren auf der Suche nach Rendite im Moment wieder mehr in Richtung Schwellenländeranleihen, weil sich dort zuletzt die Fundamentaldaten verbessert haben. Auch bei Unternehmensanleihen sehen wir noch Chancen. Staatsanleihen aus Industrieländern setzen wir derzeit eher zur Absicherung gegen konjunkturelle Schwäche ein. Allerdings ist auch hier Vorsicht geboten. Beispielsweise ist es fraglich, ob italienische Staatsanleihen mit Blick auf das anstehende Referendum ausreichend Kompensation für das Kreditrisiko bieten.

Als Auslöser für einen möglichen Kursrutsch am Rentenmarkt gilt die Angst vieler Bond-Anleger vor einer baldigen Zinserhöhung durch die US-Notenbank Federal Reserve. Wann rechnen Sie mit einer Fortsetzung der Zinswende in den USA? Und welche Effekte erwarten Sie dadurch auf die Treasuries der Vereinigten Staaten sowie den weltweiten Anleihemarkt?

Wir gehen davon aus, dass die Fed im Dezember den Leitzins noch um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent anheben wird. Für den US-Markt sollte der Zinsschritt insbesondere zu einem Renditeanstieg bei Anleihen mit kurzen Laufzeiten führen und eine weitere Verflachung der Zinsstrukturkurve mit sich bringen.

Da wir hingegen von den Zentralbanken Europas, Japans und Großbritanniens weiterhin eine expansive Geldpolitik erwarten, sollte dies zu einer Ausweitung der globalen Renditedifferenzen bei Anleihen führen. Diese Divergenz im Markt bringt interessante Chancen zur Alphagenerierung mit sich.

Im Zuge des Zinsschritts rechnen wir mit einer Aufwertung des US-Dollars. Diese sollte allerdings so moderat ausfallen, dass sich keine nachhaltigen, negativen Effekte für die Schwellenländer ergeben.