Schroders’ Investmentchef: „Deutschland ist eine Gefahr für die Eurozone“

Finanzminister Wolfgang Schäuble;<br> Brown gibt der Bundesregierung und ihrem harten <br>Sparkurs die Schuld an den Problemen der anderen <br> EU-Länder; Bildquelle: DBT

Finanzminister Wolfgang Schäuble;
Brown gibt der Bundesregierung und ihrem harten
Sparkurs die Schuld an den Problemen der anderen
EU-Länder; Bildquelle: DBT

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Schaut man auf die Ereignisse in der Eurozone, kommt es einem vor, als verunglücke ein Zug in Zeitlupe. Die Ereignisse haben etwas Unvermeidbares, selbst wenn alles so anders hätte verlaufen können. Das Unvermeidbare folgt jedoch ganz einfach aus der Mathematik, dem beharrlichen Sparkurs der Deutschen sowie ihrem fehlenden Willen, eine Stimulierung der eigenen Wirtschaft in Betracht zu ziehen.

Im letzten Jahrzehnt haben die PIIGS-Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien) erheblich an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Reale effektive Wechselkurse und Lohnstückkosten beispielsweise sanken im Vergleich zu Deutschland um rund 30 Prozent. Ein ähnliches Szenario hat es in Deutschland im Zeitraum vor der Wiedervereinigung gegeben – damals stieg der reale effektive Wechselkurs um etwa 25 Prozent. Deutschland ging damals seinen eigenen Weg und nahm dafür ein Jahrzehnt lang ein schwaches Wachstum, 10 Prozent Arbeitslosigkeit und statische Lohnkosten hin, um wieder wettbewerbsfähiger zu werden. Es ist daher nicht überraschend, dass Deutschland Südeuropa dieselbe Medizin verschreibt. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble schrieb kürzlich in der Financial Times:

•    Alle Euro-Mitgliedsstaaten müssen […] ihr Haushaltsdefizit wieder auf unter drei Prozent senken.
•    Schwerwiegende Strukturschwächen [...] erfordern einen jahrelangen schmerzhaften Anpassungsprozess.
•    Wenn sich ein Euro-Mitgliedsstaat […] nicht imstande sehen sollte, […] die öffentlichen Haushalte zu sanieren, sollte er als Ultima Ratio auch aus der Währungsunion ausscheiden, zugleich aber Mitglied in der EU bleiben können.
Nach Ansicht der Deutschen sollte ganz Südeuropa für ein Jahrzehnt oder länger auf die „Strafbank“ gesetzt werden, wodurch die gesamte Eurozone – insbesondere die PIIGS-Staaten – zu einem unterdurchschnittlichen Wachstum verurteilt würden.

Die von Griechenland geforderte Anpassung ist eine sehr stramme Vorgabe. Wenn Griechenland alle Vorgaben umsetzt, würde die Staatsverschuldung der Hellenen auf etwa 150 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) steigen. Die Schulden dürften weiter zunehmen und das BIP infolge einer neuen Rezession und Deflation sinken. Bei einer Verschuldung von 150 Prozent des BIP und realen Zinsen auf dem heutigen Niveau müsste Griechenland einen Primärüberschuss von rund acht Prozent des BIP erzielen, nur um den Verschuldungsgrad beizubehalten.