Schroders-Strategiechef vom Weltwirtschaftsforum in Davos Diese 5 Trends werden die Märkte bewegen

Huw van Steenis, Global Head of Strategy bei Schroders

Huw van Steenis, Global Head of Strategy bei Schroders

Uneinheitlichkeit – dieses Wort beschreibt die Stimmung beim Treffen der wichtigsten internationalen Wirtschaftsvertreter wohl am ehesten. Während sich amerikanische Teilnehmer optimistisch zeigten, äußerten sich europäische Vertreter verhalten pessimistisch – ein Spiegelbild der aktuellen Stimmung an den globalen Märkten. Vorherrschend waren Themen rund um die enormen politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen, die durch Populismus, Globalisierung, umwälzende Technologien, Migrationskrise und Ungleichheit entstehen.

Aus diesem Umfeld leite ich fünf wesentliche Trends ab, die zurzeit die Märkte bestimmen:

1. Die vierte industrielle Revolution – Automatisierung von Arbeitsplätzen

Die Bedrohung von Arbeitsplatzabbau durch Automatisierung nimmt drastisch zu. Das Beratungsunternehmen McKinsey veröffentlichte neue Studien, denen zufolge in den USA zwischen 1997 und 2007 86 Prozent der Arbeitsplatzverluste in der Produktion auf die steigende Produktivität und 14 Prozent auf den Handel zurückzuführen waren. Aber damit nicht genug – 1,1 Milliarden  Arbeitskräfte und 15,8 Billionen USD an Löhnen und Gehältern sind Aktivitäten zuzuordnen, die heute aus technischer Sicht automatisierbar sind.

Blicken wir auf die Finanzwirtschaft: Hier beginnen Banker und Versicherungschefs auf das niedrige Wachstum und die niedrigen Renditen zu reagieren und entwerfen konkrete Pläne zur Effizienzsteigerung. Regulatorische Technologie oder „Regtech“ könnte im Compliance-Bereich 50.000 Jobs auslöschen. In Davos führte ich unter Führungskräften von Finanzinstituten und Vertretern verschiedener anderer Beratungsunternehmen, die ich dort traf, eine informelle Befragung durch. Sie ergab, dass in den kommenden drei bis fünf Jahren 10 bis 30 Prozent aller Aktivitäten der jeweiligen Organisationen automatisiert sein werden.

Die Auswirkungen dieser Entwicklung auf Angestellte und das lebenslange Lernen sind enorm. Führende Technologieunternehmen wie Google oder Facebook zeigten sich hingegen weitaus optimistischer, vollkommen neuartige Jobs schaffen zu können.

2. Populismus

Die Auswirkungen des Populismus waren die größte Sorge in Davos. Seine Manifestationen werden in den kommenden Jahren wohl zu den wichtigsten Markttreibern zählen. Überraschend für mich war jedoch der fehlende Konsens über die Ursachen des Populismus und der Protestpolitik, geschweige denn deren Konsequenzen. Die Stagnation der Realeinkommen und die vielfältigen Herausforderungen für die wirtschaftliche und nationale Identität sind komplexe Probleme, die schwer zu lösen sind. Auffallend war, dass der chinesische Präsident Xi die Globalisierung am vehementesten verteidigte. Er argumentierte, dass sie Millionen Menschen von Armut befreit.

Was bedeutet das für Anleger? Ich gehe davon aus, dass Investments in westlichen Ländern zunehmend eine immer größere Ähnlichkeit zu Investments in Schwellenländern entwickeln werden. Dort ist ein genaues Verständnis des betreffenden Landesrisikos und der politischen Ökonomie unabdingbar. Schwellenländer lehren uns auch, dass Populismus oft inflationär ist. Zweitens müssen wir unsere Investitionen in Zeiten erhöhter Unsicherheit tätigen. Die Gefahr von „Wie-du-mir-so-ich-dir“-Streitigkeiten beschäftigte viele Politiker und Führungskräfte. Zudem erhärtet sich der Eindruck, dass verschiedene Länder die Errichtung finanzieller Mauern durchaus fördern. Doch auch hier gibt es zwei Gesichter der Medaille: Einerseits kann eine stärkere Abschottung im Bankensystem dazu beitragen, Schocks abzufedern. Andererseits hat sie vermutlich negative Auswirkungen auf das Wachstum, sofern die einzelnen Märkte die Lücke nicht schließen können. Die Bankenkrise hat uns gelehrt, dass Europa vielfältigere Möglichkeiten zur Refinanzierung von Unternehmen und des Infrastruktursektors bitter nötig hat.