Schulden, Bonität, Hypotheken und Mortgages Kreditkulturen: Unterschiede zwischen den USA und Deutschland

Schulden, Bonität, Hypotheken und Mortgages: Kreditkulturen: Unterschiede zwischen den USA und Deutschland | © pixabay.com

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Viele Europäer stellen sich immer noch die Frage, wie ein Wahlsieg Trumps überhaupt möglich sein konnte. Die Antworten werden vielfach in den Unterschieden zwischen Europa und Amerika gesucht. Obwohl wir auf beiden Seiten des Atlantiks Sneakers von Adidas tragen und uns ein schnelles Mittagessen bei McDonalds holen, scheinen die Unterschiede bei genauerer Betrachtung doch größer zu sein, als wir jahrelang angenommen haben. Das trifft auf gesellschaftliche Strukturen ebenso zu, wie auf den Umgang mit Finanzen. Deshalb lohnt sich in den ersten 100 Amtstagen der Trump'schen Regenschaft auch ein Blick auf die Kreditkultur auf beiden Seiten des großen Teichs.

Der Umgang mit Schulden in den USA und im deutschsprachigen Raum

Die komplett verschiedenen Toleranzschwellen für Schulden auf beiden Seiten des Atlantiks sind schon seit längerer Zeit bekannt. Diverse Kennzahlen für diesen Unterschied stellen die durchschnittliche Anzahl der Kreditkarten und die Menge des Bargeldes in den Geldbörsen dar. Während in den USA im Jahr 2014 rund zwei Drittel mindestens eine Kreditkarte besaßen, lag der Schnitt in Deutschland eher bei einem Drittel. Im Gegensatz dazu haben Menschen im deutschsprachigen Raum rund 100 Euro an Bargeld jeden Tag dabei und in den Vereinigten Staaten ist es nur die Hälfte. Schon aus diesen Gewohnheiten lässt sich eine Tendenz bezüglich dem Umgang mit Schulden ableiten. Vielleicht ein Indiz darauf, dass es die Amerikaner nicht so genau mit der schuldenreichen Vergangenheit von Trumps Casino in Atlantic City nehmen.

Quellen:

https://wallethub.com/edu/number-of-credit-cards/25532/

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/geld-ausgeben/kreditkarten-boom-kreditkarten-sind-immer-teuer-und-oft-ueberfluessig-12996029.html

Die Bonität in den USA und in Deutschland

Selbstverständlich wird auch in den USA die Kreditwürdigkeit von Kreditnehmern festgestellt. Drei unterschiedliche Organisationen (Experian, Equifax und Trans Union) kümmern sich in den USA um diese Aufgabe, die in Deutschland die Schufa oder in Österreich der KSV erledigt. Im Gegensatz zum deutschsprachigen Raum haben diese Auskunfteien in den Vereinigten Staaten sogar noch einiges mehr zu tun. Fast jede Vertragsunterzeichnung führt zu einer Abfrage des „Credit Score“. Nicht einmal Kabelfernsehen gibt es in Amerika ohne diese Auskunft.

In Deutschland wird der Schufa Score zwischen 0 und 100 berechnet und das Ergebnis gibt die Wahrscheinlichkeit in Prozent an, dass ein Kredit bedient wird. In den USA bewegt sich der errechnete Punktewert zwischen 350 und 900, wobei 900 die beste Bonität darstellt.

Der große Unterschied ist jedoch bei der Behandlung der Kreditwürdigkeit auszumachen. Hierzulande passen die Direktbanken und Filialbanken, wie die Santander Consumer Bank, SWK Bank oder Sparkassen, durchaus die Konditionen an den einzelnen Kreditnehmer und dessen Bonität an, aber die Bandbreiten, in denen sich die Zinsen bewegen können, sind viel enger. In den USA kann der Unterschied zwischen exzellenter und schlechter Kreditwürdigkeit 20 Prozentpunkte und mehr betragen.

Dieser Umstand könnte für viele Amerikaner implizieren, dass ein rentables Immobiliengeschäft nur mit ausreichender Bonität betrieben werden kann, weil ansonsten die Zinsen viel zu hoch wären um einen Gewinn zu erwirtschaften. Wer ausreichend Bonität besitzt, muss auch nicht zwangsläufig seine Steuerklärung vorweisen.

Quellen:

https://www.bankrate.com/funnel/personal-loans/

Der Unterschied zwischen Hypotheken und Mortgages

An dieser Stelle geht es nicht um die unterschiedliche Verbreitung dieser Finanzierungen, sondern um die Betrachtungsweise. Im deutschsprachigen Raum wird ein Hypothekarkredit aufgenommen, um das eigentliche Bauprojekt oder den Ankauf der Immobilie zu finanzieren. Das Darlehen wird abgezahlt und das Objekt bleibt weitestgehend unbelastet.

In den USA gehört hingegen der sogenannte „mortgage loan“ beinahe so sehr zum Erwachsen werden und sein, wie der Führerschein. Ein solcher Kredit drückt Verantwortungsbewusstsein aus. Viel häufiger als in unseren Breiten wird ein Hypothekarkredit dazu verwendet, ganz normale Konsumausgaben zu decken. Das zeigt sich ganz klar durch den Anteil des belasteten Wohnraums. In den USA liegt der Prozentsatz der Familien, die einen Kredit mit eingetragenem Pfandrecht abbezahlen, bei rund 45. Im Euroraum (EU-28) sind jedoch nur 27,1 Prozent des Wohnraumes mit einer Hypothek belastet.

Auch die Finanzkrise des Jahres 2008 hat diese unterschiedliche Betrachtung der Hypothekarkredite gezeigt. Eine Ursache waren nämlich die zuvor stark ansteigenden Immobilienpreise. Viele Amerikaner erhöhten als Reaktion ihre Immobilienkredite, da sie davon ausgingen, dass die steigenden Marktpreise direkt ihren sonstigen Konsum finanzieren könnten.

All dies zeigt eine ganz andere Wertschätzung von Immobilien im amerikanischen Raum. Hierzulande ist ein Wohnobjekt eine sichere und konservative Anlage für das Alter, während in den USA der Immobilienwert auch direkte Auswirkungen auf das Leben in der Gegenwart besitzt. Diese unterschiedliche Perspektive auf einen ganzen Wirtschaftssektor, könnte die Popularität eines Immobilien Tycoon erklären, die wir in Europa nicht ganz nachvollziehen können. Oder wie viele nicht wissen in Deutschland und Österreich, wer der Gründer der SIGNA Holding war, obwohl es eines der wichtigsten und größten Immobilienunternehmen im ganzen deutschsprachigen Raum ist?

Quellen:

http://www.mortgagecalculator.org/helpful-advice/mortgage-statistics.php