Schwarze Schwäne, Spieltheorie Tipps für Anleihe-Handel nach Brexit

City of London, das wirtschaftliche Zentrum von Greater London. Foto: Getty Images

City of London, das wirtschaftliche Zentrum von Greater London. Foto: Getty Images

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Zwar ebben die direkten Folgen der Entscheidung der Briten, die Europäische Union zu verlassen, langsam ab. Aber in Gesprächen mit Investoren, Strategen und Händlern wird eines deutlich: herauszufinden wie die Geschehnisse in der politischen Arena korrekt einzupreisen sind, war selten so wichtig wie jetzt.

Strategen für den Handel mit Staatsanleihen mussten ihre Prognosen über Bord werfen als die Renditen der Bonds nach dem Brexit-Votum auf historische Tiefstände fielen. Ein Messwert für künftige Preisausschläge bei Bonds, Aktien, Währungen und Rohstoffen kletterte. Und die Wahrscheinlichkeit von Ereignissen die als Schwarzer Schwan bezeichnet werden, weil sie so selten und so schwer vorauszusage sind, kletterte, gemessen an den Preisen für Optionskontrakte, auf einen Rekord.

„Angesichts des geopolitischen Umfelds, das wir derzeit haben, muss man definitiv mehr tun als nur die Fundamentaldaten analysieren“, sagt Brian Singer, Leiter dynamische Allokation bei William Blair in Chicago. „Mit dem Brexit haben wir ein erstaunlich kompliziertes Problem bekommen.“

Singer setzt inzwischen häufig auf die Spieltheorie, um politische Risiken in seine Anlageentscheidungen einbeziehen zu können. Sein Team hat auch unlängst eine Volkswirtin mit militärischem Hintergrund eingestellt - nicht zuletzt wegen ihrer Fähigkeiten Veränderungen in geopolitischen Trends zu bewerten.

Es steht mehr auf dem Spiel

Der Einsatz steigt. Der Brexit könnte dazu führen, dass andere EU-Mitglieder nachfolgen. In Großbritannien fehlt unterdessen eine klare Strategie derjenigen, die die EU-Austritts-Kampagne angeführt haben. Das führt zu zunehmenden Sorgen über einen längeren Zeitraum der politischen Unsicherheit. Und im Euroraum ist das politische Risiko laut einem Index von BNP Paribas SA das höchste seit mindestens 2006. Darüber hinaus finden in diesem Jahr die Präsidentschaftswahlen in den USA statt, und im Laufe der nächsten 18 Monate weitere wichtige Wahlen in den Industriestaaten. Das heißt, es besteht Potential, dass Unruhen auf die Märkte übergreifen.