Schwellenländer-Aktienfonds von Barings „Vergessen Sie Makrodaten, vergessen Sie die Märkte“

Jean-Louis Scandella, Leiter Aktienbereich, Barings: „Ein erfolgreicher Investor schaut auf die Unternehmen“ | © Uwe Nölke

Jean-Louis Scandella, Leiter Aktienbereich, Barings: „Ein erfolgreicher Investor schaut auf die Unternehmen“ Foto: Uwe Nölke

//

Gibt es eine harte Landung in China? Wie lange können die Länder im Nahen Osten den niedrigen Ölpreis aushalten? Das sind Fragen, mit denen sich Jean-Louis Scandella nicht aufhält, da er solche Makro-Themen für das Management eines Emerging-Markets-Aktienfonds für irrelevant hält. Genau genommen könnten sie sogar in die Irre führen.

Denn eine Korrelation zwischen Wirtschaftswachstum und Aktienperformance gibt es nicht, ist der Leiter des Aktienbereichs bei Barings überzeugt, und nennt ein Beispiel: „In China wuchs die Wirtschaft in den vergangenen 15 Jahren im Schnitt um rund 10 Prozent pro Jahr, die Aktien hingegen verloren im Durchschnitt 7 Prozent.“

Dagegen hat der Aktienmarkt in Südafrika viel mehr abgeworfen, bei deutlich geringem Wirtschaftswachstum. Scandellas Empfehlung: „Vergessen Sie Makrodaten, vergessen Sie die Märkte. Wer erfolgreich investieren will, schaut auf die Unternehmen.“ Das macht er auch bei seinem Baring Global Emerging Markets Fund, für den er seit Anfang 2015 zuständig ist. Unterstützt wird er beim Management von William Palmer und Isabelle Irish.

„Unsere Analysen haben gezeigt, dass auf Drei-Jahres-Sicht die Aktien-Performance relativ nah an der Gewinnentwicklung des Unternehmens ist. Vorausgesetzt, man hat nicht zu teuer eingekauft, sollte das Investment im gleichen Ausmaß wie die Unternehmensgewinne wachsen – unabhängig von der Entwicklung im Land und dem Markt allgemein“, so Scandella. Auf Basis dieser Philosophie baut er sein Portfolio zusammen. Im Fokus stehen Qualitätsunternehmen, die Wachstum zu einem vernünftigen Preis bieten.

Dieser als GARP (Growth At a Reasonable Price) bekannte Ansatz soll davor schützen, zu viel für das künftige Wachstum zu zahlen – eine der üblichen Fallen beim wachstumsorientierten Investieren. Das Tappen in die zweite klassische Falle, das Wachstum zu überschätzen, soll der Qualitätsfokus verhindern.

Im ersten Schritt suchen die Barings-Analysten in den globalen Schwellenländern nach Unternehmen mit guten Wachstumsaussichten. Die jährliche Wachstumsrate (CAGR) sollte über die kommenden fünf Jahre zwischen 10 und 20 Prozent liegen. Um ihre Schätzungen zu untermauern, sprechen die Analysten mit Vertretern des Unternehmens, aber auch mit Wettbewerbern und Lieferanten.