Schwellenländer als Wachstumstreiber der Weltwirtschaft: "Von der Asienkrise gelernt“

Henning Vöpel

Henning Vöpel

// //

DAS INVESTMENT.com: Für die Schwellenländer prognostiziert der Internationale Währungsfonds in den kommenden vier Jahren einen Gesamtzuwachs des Bruttoinlandprodukts von durchschnittlich 35 Prozent. Die G7-Nationen sollen laut IWF bestenfalls ein Drittel dieses BIP-Wachstums erreichen. Was sind die stärksten Konjunkturbremsen der etablierten Volkswirtschaften? Henning Vöpel: Die größte Gefahr geht von zu schnellen Haushaltskonsolidierungen aus. Konjunkturzyklen sind typischerweise Investitionszyklen. Die Kapazitäten bleiben dabei jedoch bis 2012 unterausgelastet. Ein sich selbst tragender Aufschwung ist also noch lange nicht in Sicht. Doch man muss beachten: Die Schwellenländer liegen aufgrund ihres Konvergenzprozesses ohnehin auf einem viel höheren Wachstumspfad. Das größere Wachstum kann daher nicht allein einer schnelleren konjunkturellen Erholung dieser Länder von der Weltwirtschaftskrise zugerechnet werden. DAS INVESTMENT.com: Angesichts der Schuldenfalle durch Spanien und Griechenland sieht mancher schon das Menetekel des Armenhauses Europa an der Wand … Vöpel: Das ist sicherlich übertrieben. Allerdings besteht immer die Gefahr, dass eine gemeinsame Währung für weniger dynamische Länder zu einer Belastung wird. Und es zeigt sich, dass die fiskalpolitischen Maastricht-Kriterien für den Euroraum allein nicht ausreichen. Es geht um glaubwürdige Regeln für den Umgang mit der Heterogenität der Volkswirtschaften. Das heißt: kurzfristig brauchen die Länder mehr fiskalische Flexibilität, langfristig braucht der Euroraum für die Stabilität des Euros eine größere Verpflichtung zu strukturellen Reformen und wirtschaftlicher Konvergenz. Es wäre währungspolitisch fatal, dieses langfristige Ziel aus den Augen zu verlieren.

Verschicken Sie diesen und viele weitere Artikel als Newsletter an Ihre Kunden!

>> So könnte Ihr Newsletter aussehen

>> Jetzt einen Monat kostenlos testen

DAS INVESTMENT.com: Auch in dieser Hinsicht scheinen die Emerging Markets die Zügel stärker in der Hand zu haben. US-Ökonom und Nobelpreisträger Michael Spence sagte unlängst: "China hat bereits zum zweiten Mal gezeigt, wie man mit globalen Wirtschaftskrisen umgeht. Mittlerweile ist China eine Investmentmaschine auf Autopilot". Vöpel: Es ist klar, dass in Krisen, in denen Märkte ihre Koordinationsfunktion und Stabilität verlieren, solche Länder im Vorteil sind, die einfacher und direkter intervenieren können, als das in demokratischen und marktwirtschaftlichen Ländern der Fall sein kann. Es ist aber zu bezweifeln, dass China deshalb das langfristig erfolgreichere Modell darstellt. Ein autokratischer Staat mag erfolgreicher in der Nachfragesteuerung sein, vor Fehlallokation von Ressourcen ist auch er nicht gefeit. China wird früher oder später vor der Frage stehen, wie es zunehmende ökonomische Freiheit sowie Vertragsfreiheit und Privateigentum ohne politische Freiheit überhaupt gewähren kann.