Schwellenländer Seltsame neue Angst hält Investoren zurück

Argentinier demonstrieren gegen die Regierung von Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner in Buenos Aires. (Foto: Daniel Garcia/AFP/Getty Images)

Argentinier demonstrieren gegen die Regierung von Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner in Buenos Aires. (Foto: Daniel Garcia/AFP/Getty Images)

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Auch die Leidensfähigkeit von Argentiniern kennt Grenzen. „Euer Essen ist ohne Ketchup sinnlos! Ketchup ist nicht zu ersetzen“, twittert eine gewisse Ana Paula in Richtung McDonald’s. Die Fast-Food-Kette hatte mitgeteilt, dass es die Fritten vorerst nur noch mit „anderen Soßen“ gebe.

„Bitte Cristina, lass uns unseren Ketchup“, fleht ein anderer in Richtung seine Staatschefin Cristina Kirchner. Die ist die richtige Adresse für den Zorn mit Soße. Sie hat Importe beschränkt. McDonald’s hat sich wohl nicht genau daran gehalten und darf nun keinen Ketchup mehr aus dem Nachbarland Chile einführen.

Der Hintergrund der Tomaten-Tragödie ist ernster, als es zunächst aussieht. Argentinien sieht sich nach einigen guten Jahren einer neuen Wirtschafts- und Finanzkrise gegenüber. Es führt mehr Waren ein als aus. Dieses Handelsbilanzdefizit hat es zunächst über ausländische Investoren finanziert, die wegen niedriger Zinsen zu Hause nach lukrativen Anlagen suchten.

Jetzt fließt ausländisches Geld seit Monaten ab und lässt den Währungskurs einbrechen. In Argentinien kostet ein US-Dollar auf dem Schwarzmarkt 50 Prozent mehr als zum offiziellen Kurs. Und selbst der ist seit Jahresbeginn um 17 Prozent eingebrochen. Die schwache Inlandswährung verteuert Importe und lässt die Inflationsrate anspringen. Inzwischen liegt sie inoffiziell bei fast 30 Prozent.

Auch in anderen Ländern mit hohen Handelsdefiziten sind die Landeswährungen eingebrochen. Insbesondere in Südafrika, Indonesien, Brasilien, Indien und der Türkei – fünf Länder, die man inzwischen „Die fragilen Fünf“ nennt. Konnten die Länder bisher ihre Importe durch ausländisches Geld auf Pump finanzieren, wird das nun schwierig.

Im Grunde genommen normalisiert sich die Welt der Schwellenländeranleihen gerade wieder. In den vergangenen Jahren hatten internationale Investoren blindwütig so gut wie alles gekauft, die Kurse getrieben und damit die Renditen unnormal tief gedrückt. Dadurch konnten die Länder auf größerem Fuß leben, als eigentlich gesund gewesen wäre.

Die Währungen werteten auf und verbilligten Importe, die Inflation sank. Zentralbanken konnten dadurch Leitzinsen senken und taten das auch, trotz enorm hohen Wirtschaftswachstums. Das weckt Erinnerungen an Südeuropa vor der Finanzkrise. Auch dort lud das niedrige Zinsniveau jahrelang zum Prassen auf Pump ein.