Schwellenland-Spezialist rät Georgien: Attraktive Rahmenbedingungen für Direktinvestitionen

Stefan Böttcher, Manager des Magna New Frontiers Fund.

Stefan Böttcher, Manager des Magna New Frontiers Fund.

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Als die Argonauten die Stadt Kolchis in einem Land am schwarzen Meer aufsuchten, um dort das Goldene Vlies zu rauben, fanden sie dort rankende Reben am Eingang des Königspalasts und einen Brunnen mit Wein im Schatten der Bäume. So schrieb Homer in seiner Argonautensage über das heutige Georgien. Die Verbindung zwischen dem alten Europa und Georgien ist Jahrtausende alt und die Georgier beharren darauf, dass trotz ihrer geographischen Lage am Rande des asiatischen Kontinents man sie als eine europäische Nation wahrnimmt.

In manchen Bereichen sind sie ihren europäischen Genossen voraus. So rangiert Georgien auf Platz 24 im Ease-of-Doing-Business-Vergleich der Weltbank, und hat somit Länder wie Frankreich, Spanien und die Schweiz hinter sich gelassen. Nach der so weit einzigen erfolgreichen Revolution auf dem post-sowjetischen Gebiet, der sogenannten Rosenrevolution von 2003, hat das 4,5-Millionen Land Korruption und Bürokratie weitgehend bekämpft. Die Hauptstadt Tiflis ist eine der sichersten Metropolen östlich der Oder. Neben Sicherheit hat das Land schneebedeckte Berggipfel und Sandstrände am Schwarzen Meer zu bieten. Tourismus, vor allem aus Nachbarländern aber zunehmend auch aus dem Westen, ist eine der wichtigsten Deviseneinnahmequellen und wächst mit hohen zweistelligen Raten.

Während die Nachbarländer immer noch von Stagnation oder gar von Rezession geplagt werden, lag das BIP-Wachstum im April relativ zum Vorjahr bereits bei 4,3 Prozent, und das Land hat noch viel Aufholbedarf mit einem pro-Kopf Bruttoinlandsprodukt von nur 3.900 US-Dollar. Eine allgemeine Basiskrankenversicherung für die Bevölkerung, das Vorzeigeprojet der Regierung, wurde erst letztes Jahr eingeführt. Weitere strukturelle, Bildungs- und Infrastruktur-bezogene Reformen wurden angekündigt und werden zeitnah umgesetzt. Die unternehmensfreundliche Steuerreform nach estnischem Beispiel wurde Anfang 2016 das erste Mal von den Regierungsvertretern erwähnt und war wenige Monate später vom Parlament abgezeichnet. Ab dem 1. Januar 2017 wird die Körperschaftssteuer auf reinvestierten Profit komplett erlassen.

So schnell kann es gehen

Die Inflation mit 2,1 Prozent befindet sich auch im ordentlichen Bereich. Die Zentralbank ist unabhängig und professionell geführt, der Währung ist es erlaubt, frei zu schwanken.  Politisch ist Georgien auch stabil. 2012 kam es zu einem Machtwechsel, der sehr friedlich vollendet wurde, trotz hitziger Debatten und Schlammschlachten in den Medien während der Vorwahlzeit. Beide politischen Kräfte im Land, die gegenwärtige Regierung und die Opposition, sind sich über die strategische Ausrichtung gen Westen einig. 2014 wurden das Assoziierungsabkommen und das Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet.

Mit Russland, gegen das 2008 ein kurzer Krieg um Gebiete in Ossetien geführt wurde, sucht die Regierung einen pragmatischen, konfrontationsfreien Dialog auf Augenhöhe. Mit Erfolg, denn seit Kurzem lassen sich die bei den Russen so beliebten Süßweine und das Barjomi-Wasser wieder in den Regalen der Moskauer Supermärkte finden. Mit circa 30 Prozent Anteil am gesamten Im-und Export ist allerdings die EU der bedeutendste Handelspartner, mit der Türkei an zweiter Stelle.