Scope-Analyse 3 Milliarden Euro: Immobilienfonds schwimmen in Liquidität

Sonja Knorr, Analystin bei Scope in Berlin

Sonja Knorr, Analystin bei Scope in Berlin

Liquiditätsmangel war vor wenigen Jahren der Grund, weshalb mehrere offene Immobilienfonds geschlossen und teilweise abgewickelt wurden. Derzeit bereitet Liquidität zahlreichen Fondsmanagern erneut Kopfzerbrechen. Allerdings herrscht kein Mangel, sondern ein Übermaß an Liquidität.

Das Berliner Research-Haus Scope Analysis hat die Entwicklung der Liquiditätsquoten sämtlicher für Privatanleger offenen Immobilienfonds untersucht. Insgesamt wurden 18 Fonds mit einem aggregierten Fondsvermögen von 77,7 Milliarden Euro betrachtet.

3 Milliarden Euro mehr Liquidität

Das Ergebnis: Im vergangenen Jahr ist die durchschnittliche nach Fondsvermögen gewichtete Bruttoliquiditätsquote deutlich von 21,0 Prozent auf 22,9 Prozent angestiegen. Das entspricht einem absoluten Liquiditätszuwachs von 3,0 Milliarden Euro.

Von den großen und etablierten Fonds weisen aktuell der Uniimmo: Deutschland (28,4 Prozent) und der Hausinvest (25,4 Prozent) die höchsten Liquiditätsquoten auf. Der HausInvest ist zugleich der Fonds mit der stärksten Zunahme im vergangenen Jahr: Die Liquiditäts-quote schwoll von 11,8 Prozent auf 25,4 Prozent an – und hat sich damit mehr als verdoppelt.

Gründe für Anstieg der Liquidität

Zahlreiche Anleger betrachten offene Immobilienfonds im gegenwärtigen Niedrigzins-umfeld als lukrative Anlage. Zwar liegt die Performance der Fonds aktuell nur bei durchschnittlich 2,3 Prozent pro Jahr Dennoch liegt sie deutlich über dem Niveau, das sich derzeit mit Rentenpapieren von Emittenten hoher Bonität erzielen lässt.

Dies ist ein wesentlicher Grund für die Rekordzuflüsse, die sich im vergangenen Jahr für sämtliche offenen Immobilienfonds netto auf fast als 7 Milliarden Euro summierten.

Netto-Mittelaufkommen offener Immobilienpublikumsfonds

Quelle: BVI; Stand: bis 11 / 2016; Grafik: Scope Analysis

Hohe Netto-Mittelzuflüsse müssen jedoch nicht zwangsläufig zu einem Anstieg der Liquiditätsquote führen. Gelingt es Fondsmanagern, Immobilien im gleichen Umfang anzukaufen, bleibt die Liquiditätsquote konstant. Allerdings gestaltet sich gerade der Ankauf von attraktiven Objekten im aktuellen Marktumfeld schwierig.

Märkte auf historisch hohem Preisniveau

Der Grund: Investoren sind weltweit auf der Suche nach alternativen Anlagen – allen voran Immobilien. Dies treibt die Immobilienpreise und drückt die Renditen. Zahlreiche Immobilienmärkte sind auf einem historisch hohen Preisniveau.

Die Manager der offenen Immobilienfonds sind daher gut beraten, Objekte nicht um jeden Preis zu erwerben. Gänzlich zurückhalten können sie sich in Anbetracht der Liquiditätszufuhr jedoch nicht. Daher kaufen sie auch im derzeit teuren Marktumfeld vergleichsweise hohe Volumina an.