SEB Asset Management: „Risikobegrenzung steht im Vordergrund“

Matthias Bart, SEB Asset Management

Matthias Bart, SEB Asset Management

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DAS INVESTMENT.com: Die SEB Bank hat ihr Retailgeschäft an Santander verkauft? Wie reagieren Sie darauf?

Matthias Bart
: Wir wollen sowohl über das verbreiterte Filialnetz wachsen als auch über den freien Markt – also das klassische Wholesale Third Party Geschäft weiterentwickeln. Hier ist vor allem die Verbreiterung des Vertriebsansatzes unseres Flaggschiffs SEB ImmoInvest zu nennen, aber auch die stärkere Platzierung unserer Wertpapierprodukte wie unserer SEB Multi Asset Total Return Fonds. Das Santander-Netz wird mit der Übernahme des SEB Retailgeschäfts über 300 Filialen groß sein und circa sieben Millionen Kunden umfassen. Da sehen wir gute Chancen für weiteres Potenzial – man schaue allein auf die Kundeneinlagen, die als eine Hauptquelle für das Wertpapiergeschäft bei Santander in weit höherem Maße vorhanden sind, als das je bei SEB der Fall war.

DAS INVESTMENT.com: Wie sind die Marktanteile der Vertriebswege heute?

Bart: Bei Immobilienanlagen sorgt der hauseigene Vertrieb in normalen Jahren noch für etwa 10 bis 20 Prozent des Absatzes, zurzeit liegt diese Größe eher an der unteren Grenze. Wie gesagt, wir sind heute bereits ein hauptsächlich von Absatzleistungen außerhalb der eigenen Gruppe bestimmter Player auf der Immobilienseite. Auf der Wertpapierseite ist es noch anders, hier liegt der Fremdvertrieb beim Neugeschäft aber auch bereits bei rund 55 Prozent. Der Hauptteil davon kommt über Vermögensverwalter, Dachfonds und Banken, die die Produkte auf ihre Palette setzen. Die Frequenz ist dort allerdings noch starken Schwankungen unterworfen, der Markt ist hier noch sehr unstet.

DAS INVESTMENT.com
: Was ist der Grund, warum Sie so stark im freien Markt aktiv sind?

Bart: Unser SEB Filialvertrieb hatte sich bereits vor zehn Jahren zu einem Guided Open-Architecture-Konzept entschlossen und dies konsequent umgesetzt. Das heißt, neben der Hausmarke SEB standen stets auch andere Produkte im Regal. So haben wir beispielsweise für den SEB ImmoInvest früh auch andere Vertriebswege gesucht, sind seit 2001 auch an Retail-Organisationen außerhalb der SEB-Gruppe herangetreten wie zum Beispiel die damalige Citibank, heutige Targobank. Wir haben seitdem stets mit Vermögensverwaltern, Fremdbanken, Dachfonds und Strukturvertrieben zusammengearbeitet. Neben dem Privatkundengeschäft, gilt unsere Zielsetzung auch, den Wertpapier und Immobilienbereich im institutionellen Geschäft auszubauen.

DAS INVESTMENT.com: Wie viel verwaltetes Vermögen haben Sie derzeit?

Bart: Wir haben heute ungefähr 18 Milliarden Assets under Control. Mit unserer Struktur sind wir allerdings nicht unbedingt mit anderen Asset Managern vergleichbar, da wir ein besonders starkes Immobilien-Standbein haben und daher von der Profitabilität anders gelagert sind. Bei einem reinen Wertpapieranbieter brauchen Sie höhere Grundvolumina, um nach Profitabilität einen ähnlichen Erfolg zu erzielen. Daher hinkt der Vergleich aus unserer Sicht immer ein wenig. Was sich sagen lässt, ist dass wir zurzeit als Wertpapiergesellschaft etwa rund ein Prozent Marktanteil und im Immobilienbereich etwa 8 Prozent haben. Das ist der Status-quo, und von dort aus wollen wir profitabel wachsen.

DAS INVESTMENT.com: Ihr Konzept lautet unter anderem Service- und Produktqualität und Konstanz in der Kundenbeziehung. Was heißt das?

Bart: Es geht um ein Leitbild fürs Vorgehen: Wenn wir mit einem unabhängigen Berater, mit einer Vertriebsorganisation, einer Fremdbank, wem auch immer zusammenarbeiten, streben wir stets eine langfristige Partnerschaft an. Wir bieten Produkte, die einen dauerhaften Platz in der Allokation des Kunden einnehmen sollen – keine kurzlebigen Marketingkonzepte. Wir kommen über eine anlegergerechte Risiko-Ertragsprofilierung, mit der der Kunde das Produkt auch wirklich verstehen und beurteilen kann. Risikobegrenzung steht im Vordergrund – und Produkte, die dies auch belegen können.

DAS INVESTMENT.com
: Wie belegen sie das?