Serie: Passiv und aktiv unter einem Dach „Hey, DeAM, für wen sind die ETFs und für wen die aktiven Fonds?“

Hagen Schremmer, Vertriebsleiter Publikumsfonds in Deutschland und Österreich bei der Deutschen Asset Management. | © DeAM

Hagen Schremmer, Vertriebsleiter Publikumsfonds in Deutschland und Österreich bei der Deutschen Asset Management. Foto: DeAM

ETFs und klassische Fonds unter einem Dach? Das geht, und wie. Wir haben die zweigleisig fahrenden Fondsgesellschaften um Stellungnahme gebeten, wann denn Anleger bitteschön in welches Regal bei ihnen greifen sollen.

Hier geht es um den Investment-Arm der Deutschen Bank, die Deutsche Asset Management. Die Antworten gibt Hagen Schremmer, Vertriebsleiter Publikumsfonds in Deutschland und Österreich.

DAS INVESTMENT: Warum bietet Ihr Haus für dieselben Märkte ETFs und aktive Fonds gleichermaßen an? Wonach sollte der Anleger in dieser Zwickmühle seine Entscheidung richten?

Da sich die Anlageziele und –zeiträume unserer Investoren vielfach voneinander unterscheiden, versuchen wir unseren Investoren den für sie besten Zugang zu allen Anlageklassen zu bieten - über die unterschiedlichen Strategien und Anlagevehikel hinweg. Die Wahl des Vehikels sollte immer den Anlagezielen des Investors entsprechen.

Worauf achten Sie, wenn Sie einen aktiv gemanagten Fonds auflegen?

Wir hören auf unsere Kunden und ihren Bedarf und damit die Nachfrage im Markt. Sodann stellen wir uns die Frage, ob wir in den entsprechenden Marktsegmenten Mehrwert für unsere Anleger erwirtschaften können. Darüber hinaus sind bei der Auflage eines aktiv gemanagten Fonds die verschiedensten technischen Aspekte zu beachten. Dies fängt bei der Wahl des richtigen Fondsmantels (FCP, SICAV, SIF und so weiter) an, geht über die Wahl der Anlagestrategie (Anlageklasse, Region, Risikoparameter und so weiter) bis hin zur Einhaltung aller rechtlichen und regulatorischen Erfordernisse. Ziel ist es, einen Fonds so zu konzipieren, dass er alle Voraussetzungen mitbringt, einen Mehrwert für unsere Investoren zu erzielen.

Was sind die wichtigsten Stärken und Schwächen von ETFs und aktiven Fonds.

Beide Fondstypen weisen eine große gemeinsame Stärke auf: Sie werden als Sondervermögen klassifiziert, das heißt das Fondsvermögen ist im Falle der Insolvenz des Anbieters oder des Vertriebspartners geschützt ist und fällt nicht in die Insolvenzmasse.

Die wichtigsten Stärken von ETFs sind unbestritten die Kosteneffizienz, Handelbarkeit und die transparente Orientierung an einem Referenzmarkt. Die statische Anlagestrategie, das heißt Eins-zu-eins-Abbildung des Referenz-Index bedeutet umgekehrt aber grundsätzlich auch den Verzicht auf die Chance auf Outperformance gegenüber der Benchmark und ebenso besteht auch nicht die Möglichkeit der unterschiedlichen Positionierung in verschiedenen Marktphasen. ETF sind ideal für eher taktische Positionierungen sowie als Bausteine für die eigene Asset-Allokation.

Die wichtigsten Stärken von aktiven Fonds sind bewusste Positionierung und Titelselektion, die es im Gegensatz zu ETFs ermöglichen, auf die künftige Wertentwicklung von Unternehmen oder Marktsegmenten zu setzen. Darüber hinaus bieten aktive Fonds die Möglichkeit, eine rendite-risikooptimierte Wertentwicklung gegenüber dem Gesamtmarkt zu generieren beziehungsweise diesen zu schlagen. Aktive Fonds eignen sich daher insbesondere für eine langfristige Anlage und insbesondere für Anleger, die sich nicht selbst regelmäßig um ihr Portfolio kümmern möchten oder können.

Finden Sie die Entweder-Oder-Diskussion eigentlich sinnvoll?

Diese Diskussion ist nicht mehr zeitgemäß. Beide Fondstypen haben ihre Stärken und können von Investoren abhängig von deren Anlagezielen ausgewählt werden.

Zudem ergänzen sich beide Vehikel bereits heute sehr gut in der Portfoliozusammenstellung. Und viel mehr noch, mit Blick nach vorn, wir beobachten eine deutlich wachsende Nachfrage nach Lösungen, die die aktive und passive Komponenten zusammenführen, Stichworte sind hier Beta-Plus und Strategic-Beta.