Serie: Wie beraten Vermögensverwalter in der Krise? – „Es gibt keine Anlageklasse, die man gar nicht haben sollte“

Michael Stegmüller, Performance IMC

Michael Stegmüller, Performance IMC

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DAS INVESTMENT.com: Welche Fragen werden derzeit am häufigsten an Sie herangetragen?

Michael Stegmüller: Das beherrschende Thema der Menschen in Deutschland – wie sollte es auch anders sein – ist die entflammte Schulden – und Vertrauenskrise innerhalb der  Eurostaaten. Welche Auswirkungen können die unterschiedlichen Entwicklungen auf die Anlageklassen haben. Wie sollte man einem denkbaren Auseinanderbrechen der Eurozone begegnen. Was passiert ökonomisch? Wie reagiere ich auf Inflation oder Deflation, eine Rezession oder einen möglichen Schuldenschnitt.

DAS INVESTMENT.com: Was haben Sie aus der Krise seit Lehman gelernt, was sehen Sie nun anders?

Stegmüller: Das Undenkbare ist denkbar und der Begriff „risk free“ veränderte im Anschluss seine Bedeutung. Welches Investment oder welche Anlageklasse verbleibt risikolos? Die wichtigste Erkenntnis bleibt aber, dass man mit allem rechnen muss!  Durch die Globalisierung werden der Politik auch zunehmend Grenzen gesetzt Probleme effizient zu lösen. Begegnen kann man dem nur durch eine möglichst breite Diversifikation in alle liquiden Anlageklassen.

DAS INVESTMENT.com: Müssen Vermögensverwalter heute öfter taktischer und kurzfristiger reagieren?

Stegmüller: Wenn das Anlageergebnis zu 90 Prozent durch die Struktur des Vermögens vorgegeben ist und nur 10 Prozent taktische Erwägungen das Ergebnis langfristig erklären, dann hat sich durch die Krise in Europa das Verhältnis temporär etwas verschoben. Dies bedeutet, dass taktische Erwägungen bezüglich einzelner Anlageklassen und Anlageregionen, geprägt und hervorgerufen durch die Unsicherheit um den weiteren Bestand der Eurozone und des Euro, etwas erweitert worden sind.

DAS INVESTMENT.com: Welche Produkttrends erkennen Sie derzeit?

Stegmüller
: Wir sehen sicherlich einen Trend hin zu vermögensverwaltenden Strategiefonds, die auch täglich handelbar sind. Dieser Trend besteht allerdings nicht erst in den letzten Monaten, sondern entwickelte sich stetig im Anschluss an die Krise 2008. Konkret sind wir vom Arbor Invest (WKN A0M RUW) überzeugt sowie den in unserem Hause gemangten im Juli aufgelegten Saphir Dachfonds (HAF X5P). Ebenfalls stark im Kommen sind alternative Investment Strategien im Ucits III Format, etwa der RWC Funds Europe Absolut Alpha (A1C 1QB). Die Präferenzen der Anleger gehen auch hier in Richtung täglicher Liquidier- und Handelbarkeit.

DAS INVESTMENT.com: Wie stehen Sie zu Gold – und den diesbezüglichen Anlageformen wie physischem Rohstoff, Fonds, Zertifikate, Goldminenaktien?

Stegmüller: Gold spielt in unseren Vermögensverwaltungen keine Rolle. Wo liegt der faire Preis von Gold? Es sollte unserer Auffassung nach kein Spekulationsobjekt sein, sondern ein letzter Anker in der Not. Wir raten unseren Kunden, bei Bedarf und entsprechender Größe des Vermögens, Gold physisch in einem diversifizierten Ausmaß zu erwerben, in den Tresor zu legen und zu behalten.

DAS INVESTMENT.com: Wie begegnen Sie der Inflation?

Stegmüller: Zum heutigen Zeitpunkt antizipieren wir keine Inflation, die uns Sorgen machen sollte. Das Umfeld in Europa – Schuldenkrise, nachlassendes Wachstum - beinhaltet nach wie vor erhebliche deflationäre Tendenzen und auch Gefahren. Unsere Portfolios sind breit diversifiziert und sollten über Anlagen in Rohstoffe und auch Aktien einem moderaten Anstieg die Stirn bieten können.

DAS INVESTMENT.com
: Vor welchen Fehlern warnen Sie ihre Klienten derzeit besonders?

Stegmüller: Sie sollen immer den Grundsatz der Diversifikation beachten und die eigene Risikotragfähigkeit objektiv einschätzen. Mit diesen beiden Ratschlägen vermeiden Anleger und Klienten viele Fehler.

DAS INVESTMENT.com
: Wie wird sich der Wettbewerb im Bereich Vermögensverwalter/Private Banking/Family Office weiterentwickeln?