Serie: Wie beraten Vermögensverwalter in der Krise? – „Gold als psychisches Investment“

Gregor Müller, Novethos Financial Services

Gregor Müller, Novethos Financial Services

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DAS INVESTMENT.com: Was beschäftigt ihre Klienten derzeit am meisten?

Gregor Müller: Im Fokus steht die Schuldenkrise insbesondere in Europa und den USA. Viele Kunden beschäftigen sich mit der Sicherheit des Euros und den Auswirkungen einer möglichen Euro-Abwertung oder Auseinanderbrechen der Eurozone. Grundsätzlich steht dabei der Kapitalerhalt vor dem Renditegedanken. Klienten fragen, wie und mit welchen Anlageklassen der tatsächliche Wert ihres Geldes gesichert werden kann. Viele Fragen gibt es auch zu Investitionen in alternative Währungen wie dem Schweizer Franken oder der Norwegischen Krone sowie zu Investitionsregionen, die nicht so massiv von der Krise betroffen sein werden.

DAS INVESTMENT.com: Was haben Sie aus der Krise seit Lehman gelernt?
Müller: Die massive Geldvernichtung der letzten Jahre hat klar gezeigt: Risiko ist kein theoretisches Problem. Das Risiko von „schwarzen Schwänen“ ist größer geworden, Investoren müssen mit höherer Volatilität in allen Anlageklassen leben lernen. Auch vermeintlich sichere Investments können deutliche Risiken beinhalten. Ratings sind nur bedingt verlässlich. Ein konsequentes Risikomanagement ist wichtiger denn je – Vermögensmanagement ist primär Risikomanagement. Ein Investmentprozess muss zu gleichen Teilen aus Investmententscheidung und Risikomanagement bestehen.

DAS INVESTMENT.com: Das heißt konkret?

Müller
: Buy-and-hold-Strategien sind in der heutigen Zeit nicht opportun, Anlagestrategien müssen regelmäßig auf Risiko und Renditechance überprüft werden. Unser Anlagestil in liquiden Vermögensteilen ist deutlich aktiver, jedes einzelne Anlageinstrument wird durch ein Risikomanagement begleitet. Das Anlageuniversum hat sich stark verbreitert. Die risikoadjustierte Strukturierung von Vermögen und ihre permanente Anpassung auf die aktuelle Lebenssituation wird Vermögenserhalt und Vermögensentwicklung der nächsten Jahre bestimmen.

DAS INVESTMENT.com: Wo sehen Sie derzeit die größten Krisenherde? Müssen Vermögensverwalter heute öfter taktischer und kurzfristiger reagieren?

Müller: Die hohe Verschuldung der Industrieländer sowie die Auswirkung der Schuldenkrise auf die Finanzwirtschaft und in Folge die Realwirtschaft bergen das größte Krisenpotenzial. Ein hoher Kapitalbedarf der Banken mit einer restriktiven Ausgabenpolitik der öffentlichen Hand birgt die Gefahr einer wirtschaftlichen Abschwächung. Vermögensmanager brauchen heute mehr denn je einen aktiven Managementansatz, eingebunden in einen klar definierten und diszipliniert umgesetzten Investmentprozess. Ein funktionierendes Risikomanagement ist unerlässlich.

DAS INVESTMENT.com: Welche Produkttrends erkennen Sie derzeit?

Müller: Alternative Investmentstrategien, also Anlagen, die weder dem Risikoprofil einer Anleihe noch dem einer Aktie entsprechen, eignen sich insbesondere zur weiteren Risikostreuung und der Verringerung der Volatilität. Beispiele hierfür sind der Varengold Alternative Alpha I (WKN A1C 5D5), der Managed-Account-Strukturen internationaler Manager mit unterschiedlichen Ziel- und Zeithorizonten an den Aktien-,  Anleihen- und Rohstoffmärkten vereint. Als attraktiv stuften wir auch den Julius Bär Absolute Return Europe Equity Fund (A1C 6L3) ein, der mit einem marktneutralen Investmentansatz über derivative Long-Short-Strategien absolute Erträge zu erwirtschaften sucht.

DAS INVESTMENT.com: Spielen Liquidität und Fungibilität der Assets aus Sicht der Anleger in Krisenzeiten eine größere Rolle?

Müller
: Liquidität und Fungibilität sind primäre Anforderungen des Kunden. Die Krise hat gezeigt, dass Investments oder ganze Assetklassen nahezu illiquide werden können. In der Produktwelt werden transparente Plain-vanilla-Produkte bevorzugt. Komplex strukturierte Produkte werden gemieden. Eine deutlich höhere Beachtung in der Instrumentenauswahl wird dem Emittentenrisiko gegeben. Ein ganzheitliches und langfristig ausgerichtetes Vermögenskonzept mit einem vermögensverwaltenden Ansatz der gesamten Vermögensstruktur nimmt stark an Bedeutung zu und verdrängt kurzfristig ausgerichtete, eher spekulativ orientierte Anlagestrategien. Das Augenmerk liegt auf einer aktiven und geschickten Asset Allocation durch den Vermögensmanager und deren einfache und transparente Umsetzung in den Portfolios.

DAS INVESTMENT.com: Wie stehen Sie zu Gold – und den diesbezüglichen Anlageformen wie physischem Rohstoff, Fonds, Zertifikate, Goldminenaktien?