„Sicherheit sollte künftig als Erhalt der Kaufkraft definiert werden“

Mathias Müller

Mathias Müller

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DAS INVESTMENT: An den Rentenmärkten ist kaum noch etwas zu verdienen, Aktien schwanken stark, und für die jüngste Korrektur des Goldpreises haben auch Experten keine schlüssige Erklärung. Was sollen Anleger tun?

Mathias Müller: Zunächst sollten sie ihren Begriff von Sicherheit überdenken. Sicherheit heißt für die meisten Anleger noch immer möglichst geringe Schwankungen. Ihr Geld liegt auf Tagesgeldkonten und in klassischen Geldmarkt- oder Rentenfonds.

Im Umfeld der finanziellen Repression, also niedrigsten Zinsen gepaart mit moderater bis hoher Inflation, führt das zwangsläufig zu einem Kaufkraftverlust. Sicherheit sollte daher mit Blick auf die Zukunft neu definiert werden als Erhalt der Kaufkraft. Dafür ist in vielen Fällen ein Stück mehr Risiko nötig.

Also gilt es jetzt, Aktien zu kaufen?

Müller: Auch, aber nicht nur. Weil die Unsicherheit so groß ist, sind Multi-Asset-Fonds erste Wahl. Sie streuen über Anlage-Klassen und senken so das Risiko automatisch: Wer breit streut, rutscht nicht so schnell aus. Dabei fassen wir den Begriff Multi-Asset weit.

Dazu zählen vermögensverwaltende Fonds und Mischfonds, aber auch themenorientierte Produkte wie unser Reale-Werte-Fonds, der neben Aktien und Anleihen auch Gold und Rohstoffe im Portfolio hat, oder der Allianz Income & Growth, der auf stetige Einkommensströme aus Dividenden und Kupons höher verzinster Anleihen setzt.



Doch fällt bei dieser Vielzahl unterschiedlicher Konzepte die Entscheidung nicht gerade leicht.

Müller: Das Wichtigste ist, dass sich der Anleger wohlfühlt. Dazu gehört, dass er das Konzept versteht. Wichtig sind natürlich auch das Risikomanagement und die Erfahrung, die ein Anbieter mit dem Einsatz unterschiedlicher Asset-Klassen hat. Mit 70 Multi-Asset-Spezialisten und einem verwalteten Multi-Asset-Vermögen im Umfang von insgesamt 70 Milliarden Euro haben wir da eine Kernkompetenz.

Ihr Klassiker, der Kapital Plus, ist ein defensiver Mischfonds. Wie angemessen ist ein Anteil von rund 70 Prozent Staatsanleihen bei negativen realen Renditen?

Müller: Immer noch angemessen, denn hochwertige Anleihen sind weiterhin ein wichtiger Stabilitätsanker. Gerade in Börsenzeiten mit hohen Schwankungen bieten sie den Puffer, den sich viele Anleger wünschen. Wir sind aber auch im Anleihensegment flexibel. Wir können zum Beispiel attraktiv erscheinende Anleihen aus den Emerging Markets oder Unternehmensanleihen beimischen. Dass das Konzept aufgeht, hat sich in den vergangenen 19 Jahren immer wieder gezeigt.