Sind Indexfonds des Anlegers Lösung? „Die ETF-Industrie macht es eher noch schlimmer“

Georg Graf von Wallwitz, Geschäftsführer Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement

Georg Graf von Wallwitz, Geschäftsführer Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement

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Als in den 1870er-Jahren der Siegeszug der Fotografie immer offensichtlicher wurde, machte sich unter den Kunstmalern blanke Verzweiflung breit. Fotografien waren genauer in der Abbildung, billiger und schneller in der Herstellung und überall verfügbar. Spätestens mit der bereits absehbaren Erfindung der Farbfotografie, so die allgemeine Überzeugung, würde die eigene Kunst überflüssig werden, würde niemand mehr ein Gemälde kaufen oder gar bestellen. So kam es dann auch. Viele schlechte Landschaftsmaler, viele ideenlose Gesellschaftsmaler, viele langweilige Portraitisten verloren nach und nach ihr Geschäft. Und es vermisst sie bis heute niemand, wie man an den kümmerlichen Auktionsergebnissen für diese Art Kunstwerke noch heute ablesen kann.

Es gab aber auch Maler, denen die Erfindung technisch reproduzierbarer Kunstwerke nicht geschadet hat. In Paris entstand der Impressionismus, dessen Landschaften und Portraits von keiner Kamera einzufangen waren. Die Münchener Schule brachte „Seelenmaler“ wie Gabriel von Max hervor, die gar nicht die Absicht hatten, die sichtbare Welt abzubilden. Und so änderte sich die Malerei und überhaupt die Kunst zum Besseren und ist noch immer nicht untergegangen.

Heute schwappt wieder eine Technikwelle durch die Welt und sorgt für Angst vor Überflüssigkeit. Dieses Mal ist es die furchterregende Kombination von Big Data und mobilem Internet. Smartphones können alles und ersetzen alles. Mein Personal Trainer ist heue eine App. Mein Ernährungsberater ist eine App. Meine Bankverbindung ist sowieso schon lange eine App mit Geldautomat. Meine Fotos sind in der Wolke und sowieso braucht niemand mehr einen Fotoapparat.

Nicht anders geht es der Fondsbranche, deren Nemesis der Indexfonds ist. Sie hatte es sich in den letzten Jahrzehnten sehr bequem gemacht mit einem einfachen Geschäftsmodell: Die meisten Fondsmanager haben es wie die überflüssigen Landschaftsmaler gehalten und eine schlechte und ideenlose Abbildung der Märkte als große Kunst verkauft. Sie haben im Wesentlichen die in einem vorgegebenen Index enthaltenen Aktien oder Anleihen gekauft und dann in etwa die Wertentwicklung abgeliefert, die der Markt gemacht hat – Minus der erheblichen Kosten, die das „Management“ der Wertpapiere verursacht hat.

So liegt der Durchschnitt der „aktiv gemanagten“ Fonds immer etwa 1,5 Prozent schlechter als der Index, der ohne diese Kosten auskommt. Eine solche Situation schreit nach einer technischen Lösung, in diesem Fall nach einem Indexfonds. Wenn es schon kaum jemand schafft, den Index zu schlagen, dann ist es doch sinnvoll, einen Fonds zu machen, der mit möglichst wenig Kosten einfach nur den Index abbildet. Warum nach mehr streben, wenn dies augenscheinlich das Maximum ist? Und durch den Einsatz von Computern ist es kein Problem, einen Fonds zu machen, der sekundengenau die Wertentwicklung des Index abbildet.

Hinzu kommt die Theorie der effizienten Märkte. In dieser bescheinigen eine Reihe von hochgelehrten Professoren die Unmöglichkeit, den Markt (das heißt den Index) zu schlagen. Sie sehen den Markt als eine gewaltige Informationsverarbeitungsmaschine, die jederzeit alle verfügbaren Nachrichten zu Börsenkursen verdaut. Und so verbinden sich Theorie und Informationstechnologie und bringen etwas Wunderbares hervor, die börsengehandelten Indexfonds (ETFs). Und wenn diese auch noch von automatisierten Vermögensverwaltern wie Wealthfront.com („Robo-Advice“) ge- und verkauft werden, dann kann im Vermögensaufbau eigentlich nichts mehr schiefgehen, meint man.