Fidelity-Experte Nach Downgrading durch Moody's: China droht keine Liquiditätskrise

Luc Fröhlich, Investment-Leiter für festverzinsliche Anlagen in Asien bei Fidelity International

Luc Fröhlich, Investment-Leiter für festverzinsliche Anlagen in Asien bei Fidelity International

Das Downgrading von China durch Moody‘s verdeutlicht einmal mehr die Herausforderungen Chinas, das aktuell mit steigender Verschuldung, nachlassendem Wirtschaftswachstum und anhaltenden Strukturreformen kämpft. Trotz dieses anziehenden Drucks sind wir überzeugt, dass Chinas Zentralbank und seine Regulatoren die Situation unter Kontrolle haben. Insbesondere Chinas verschärfte Regulierungsmaßnahmen sollten helfen, die Kreditmärkte des Landes zu deflationieren und zu langfristiger Marktstabilisierung zu führen.

"Kreditkrise in China halten wir für unwahrscheinlich"

Eine erkennbare Verschiebung in Chinas Zentralbankpolitik hat die Sorgen einer kurz bevorstehenden Kreditkrise vergrößert. Aus unserer Sicht ist dies jedoch unwahrscheinlich. Denn die regulatorischen Maßnahmen stärken die Stabilität der Kreditmärkte. Nachdem China jahrelang eine lockere Finanzpolitik inklusive Steueranreize betrieb, änderte das Land diesen Kurs im Februar 2017. Seitdem hat die People's Bank of China (PBoC) Zinssätze auf zahlreiche Instrumente der Geldpolitik angehoben – was de facto eine Verknappung der Liquidität bedeutet. Allerdings sehen wir keinen Liquiditätsengpass. Denn China scheint davor gut geschützt.

Erstens, weil eine hohe Sparquote zusammen mit dem Trend, Geldmittel in den Banken zu belassen, bedeutet, dass Liquidität vorhanden ist. Zweitens werden die Schulden in China von lokalen Banken finanziert. Und drittens sind die Kontrollmechanismen weiterhin funktionstüchtig und können bei Bedarf stärker angezogen werden.

Außerdem sind große, staatlich kontrollierte Unternehmen weiterhin ein mächtiger Faktor in der chinesischen Wirtschaft. Diese genießen einen gewissen Schutz vor Marktmechanismen und können von der Regierung auch schrittweise restrukturiert werden.

Auf die Indikatoren achten

Obwohl wir kein unmittelbares Risiko einer Krise erkennen, beobachten wir einzelne Indikatoren genau, die wir als entscheidend betrachten. Besonders relevant ist das Risiko falscher politischer Entscheidungen. Seit der Finanzkrise führten politische Interventionen zu Stabilität und Wachstum. Ein politischer Fehltritt kann jedoch massive Auswirkungen auf die Märkte haben.

Ein weiteres Risiko ist eine massive Kapitalflucht. Ein fortwährender Abfluss von Liquidität könnte lokale Banken dazu zwingen, sich den internationalen Märkten stärker zu öffnen. Dann kämen internationale Bewertungskriterien zum Ansatz, die negative Auswirkungen auf Finanzierungskosten hätten.

Die Auswirkungen eines Vertrauensverlustes bei Sparern dürfen ebenso nicht unterschätzt werden. Werden die Banken gestürmt, könnte das ihre Position massiv schwächen.