Smart Beta Warum Faktor-Strategien den Markt schlagen

Nicolas Werbach, zuständig für die iShares Factor Based Strategies.

Nicolas Werbach, zuständig für die iShares Factor Based Strategies.

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Exchange Traded Funds (ETF) können Märkte nicht nur abbilden, sie können sie auch schlagen. Mit Faktorstrategien können sie bessere Ergebnisse erzielen als klassische nach Marktkapitalisierung gewichtete Indizes wie der MSCI World. Diese Strategien sind nicht neu, institutionelle Investoren und aktive Manager nutzen sie seit Jahrzehnten. Über Smart-Beta-ETFs sind sie jetzt für alle Investoren zugänglich - und zwar zu deutlich niedrigeren Kosten als für ein aktives Mandat.

Mit Faktor-ETFs können Investoren vor allem zwei Ziele anstreben: eine Outperformance gegenüber der Marktrendite oder ein geringeres Risiko. Wer höhere Erträge als der Markt erzielen will, kann auf Indizes setzen, die Titelauswahl und Gewichtung der Wertpapiere auf bestimmte ertragsstarke Faktoren abstellen. Dazu zählen zum Beispiel Value, Momentum, Qualität und Größe. Die entsprechenden globalen Faktor-Indizes haben seit 2001 eine höhere Wertentwicklung geliefert als der MSCI World.

Wer hingegen sein Risiko im Portfolio senken möchte, sollte den Faktor Volatilität im Auge haben.Seit 2001 weisen Minimum-Volatility-Strategien nicht nur ein niedrigeres Risiko auf als der MSCI World, sondern sie haben auch bessere Erträge geliefert.

Gründe für die Outperformance erkennen

Wenn wir herausfinden, warum diese Faktoren zur Outperformance beziehungsweise zur Risikoreduzierung beigetragen haben, könnte man daraus ableiten, ob dies auch künftig so sein wird. Wir sehen vor allem drei Gründe, warum Faktoren einen zusätzlichen Ertrag liefern: Belohnung fürs eingegangene Risiko, strukturelle Hindernisse und typisches Investorenverhalten. Betrachten wir die einzelnen Faktoren:

Minimum Volatility: Diese Strategie setzt auf schwankungsarme Aktien und versucht so das Gesamtrisiko zu reduzieren. Sie hat sich insbesondere in Krisensituationen bewährt, zum Beispiel während des starken Abverkaufs von Juni bis September 2015. Zum Erfolg der Strategie in der Vergangenheit trugen zum einen strukturelle Hindernisse bei. Einige Investoren, zum Beispiel viele Pensionskassen oder Stiftungen, dürfen ihre Anlagen nicht über Fremdkapital hebeln, müssen aber dennoch hohe Ertragsziele erreichen. Daher setzen sie eher auf risikoreiche Aktien und treiben hier die Preise in die Höhe, während risikoärmere Titel dadurch günstig zu haben sind. Zum anderen werden die schwankungsarmen Titel meist von Investoren übersehen, die auf der Jagd nach dem „nächsten großen Coup“ sind. Dabei handelt es sich meist um risikoreichere Aktien.

Value: Value-Investoren suchen nach Aktien, die bezogen auf ihr Potenzial unterbewertet sind. Günstige Aktien trumpfen vor allem in der frühen Phase eines Wirtschaftszyklus auf, zum Beispiel in der Wachstumsphase von April 2003 bis Oktober 2007. Viele Value-Unternehmen kommen aus dem Dienstleistungs- oder Produktionsbereich. Wenn sich die Wirtschaft abkühlt, haben sie oft mit hohen Fixkosten zu kämpfen. Investoren können daher eine Risikoprämie vereinnahmen, wenn sie in Value-Unternehmen mit unflexiblen Geschäftsmodellen investieren. Zudem spricht das typische Investorenverhalten für Value-Aktien. Anleger schreiben oft die vergangene Performance in zukünftigen Erwartungen fort und lassen Value-Aktie links liegen. Wenn die gut gelaufenen Aktien die Erwartungen allerdings nicht mehr erfüllen, schieben sich Value-Unternehmen schnell nach oben.

Momentum: Momentum-Investoren springen auf Trends auf. Die Strategie funktioniert am besten in Phasen mit klaren Aufwärts- oder Abwärtsmärkten. Bei drastischen Trendwenden müssen Investoren mit Verlusten rechnen. Für dieses Risiko werden sie mit einer Prämie belohnt. Zusätzlich erzeugt das Investorenverhalten einen Dominoeffekt. Investoren überreagieren auf ihren Erfolg und verstärken den Momentum-Effekt der Aktie.

Größe: Diese Strategie hat kleinere Unternehmen im Fokus. In der Vergangenheit haben sich deren Kurse besser entwickelt als die der großen Konzerne. Insbesondere im frühen Stadium eines Wirtschaftsaufschwungs liegen sie in der Regel vorn. Der Erfolg der Strategie ist zum Beispiel darauf zurückzuführen, dass Small-Cap-Investoren für das höhere eingegangene Risiko belohnt werden. Kleinere Unternehmen reagieren stärker auf Marktbewegungen, sie sind anfälliger gegenüber einer wirtschaftlichen Abkühlung und sind weniger liquide.

Qualität: Grundgedanke der Strategie ist, dass Unternehmen mit gesunden Bilanzen ihr Kapital klüger nutzen, solide Geschäftsmodelle haben und sich besser als ihre weniger effizienten Wettbewerber entwickeln. Vor allem in späteren Zyklusphasen und im wirtschaftlichen Abschwung zahlt sich der Faktor Qualität aus. Die Chance von Qualitätsaktien liegt darin, das klassische Investorenverhalten zu nutzen. Es gibt solche Erträge und solche. Investoren reagieren häufig auf die guten Gewinnmeldungen von Unternehmen, allerdings hinterfragen sie nicht die Qualität dieser Gewinne.

Mit einem Faktoren-Mix die Chancen optimieren

Noch bessere Ergebnisse als ein Investment in einzelne Faktoren kann eine Kombination verschiedener Faktoren bieten. Value-Strategien etwa konzentrieren sich auf unterbewertete Aktien. Momentum-Strategien machen letztlich das Gegenteil. Da die beiden von sehr unterschiedlichen Phänomenen getrieben werden, korrelieren sie in der Regel nur sehr gering miteinander und ergänzen sich gut im Portfolio. Der MSCI World Diversified Multiple Factor Index, der die vier Faktoren Value, Momentum, Qualität und Größe vereint, hat seit 2001 bis Ende 2015 den MSCI um 4,6 Prozent pro Jahr geschlagen, die Volatilität entsprach dabei der des MSCI World. In Europa wurde eine ähnliche Outperformance erzielt. Blackrock bietet sowohl ETFs auf Einzelfaktoren als auch auf einen Faktoren-Mix.