So berät Deutschland: Was Vermögensverwalter jetzt ihren Kunden empfehlen

von links: Friedrich Huber, Claus Quahl, Jürgen <br>Schneider, Claus Walter, Thomas Buckard,<br> Friedhelm Spiekermann

von links: Friedrich Huber, Claus Quahl, Jürgen
Schneider, Claus Walter, Thomas Buckard,
Friedhelm Spiekermann

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Schuldenkrise, Sorge um den Euro, Banken-Crashtests und immer neue Tiefststände beim Zinsniveau – kein Wunder, dass so mancher Anleger in diesen Tagen und Wochen die Nerven verliert und nur noch eines möchte: sich so rasch wie möglich absichern vor dem Schreckgespenst Inflation. Der Berater soll es dann richten, und immer häufiger zielen dabei die Gedanken der Kunden in Richtung Gold.

Grundsätzlich richtig, aber längst kein Allheilmittel, wie Claus Walter findet. „Wir stellen in so einem Fall die provokante Gegenfrage, ob es in Ordnung ist, dass die Inflation möglicherweise ausfällt und in der Folge das Vermögen mit dem Goldpreis um 20 Prozent oder mehr sinkt. Dann werden die Klienten plötzlich nachdenklich“, erzählt der Gründer der Freiburger Vermögensmanagement (FVM) aus seiner Beratungspraxis. Es sei ein typischer Fehler, möglichen Risiken mit einer einseitigen Struktur zu begegnen, die ungleich höhere Risiken berge.
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Fünf auf einen Streich

Walter ist einer von bundesweit 130 der V-Bank angeschlossenen Vermögensverwaltern, alle mit Bafin-Zulassung. Fünf von ihnen analysieren exklusiv für DAS INVESTMENT.com die aktuelle Lage. Alle fünf sind langjährig am Markt, kommen aus verschiedenen Regionen der Republik und haben unterschiedliche Beratungskonzepte.

Immerhin 58 Prozent der deutschen Anleger erwarten einer Umfrage der Fondsgesellschaft Union Investment zufolge steigende Preise. Die daraus entstehenden und auch von zahlreichen Wirtschaftsexperten geschürten Ängste versuchen die von DAS INVESTMENT.com befragten Vermögensverwalter allerdings zu relativieren. „Frühestens in zwei bis drei Jahren“ erwartet etwa Thomas Buckard einen Preisschub.

Gleichwohl empfiehlt der Vorstand der Wuppertaler Vermögensverwaltung Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen als Investitionsschwerpunkt bereits heute Aktien von eigenkapitalstarken Unternehmen, Risiken reduzierende Zertifikate auf Aktien, Währungsanlagen in Rohstoff- und Schwellenländern und als Beimischung Gold.

„Eine breite Streuung, die Gold, Immobilien und Sachwerte enthält, hilft, das Risiko zu reduzieren“, bestätigt Jürgen Schneider. Dennoch sieht auch der Vorstand der SRQ Finanzpartner mit Stammsitz in Berlin keine akute Inflationsgefahr. Schneider: „Erst in den nächsten ein bis zwei Jahren wird sich zeigen, ob die Notenbanken im Management der enormen Geldmengen das richtige Timing haben.“

Andere Marktteilnehmer halten das Inflationsszenario im Moment für unwahrscheinlich: „Eine Inflation kann nur dann kommen, wenn schlagartig das Vertrauen in das Finanzsystem kollabiert, etwa durch einen breiter angelegten Staatsbankrott“, glaubt Friedrich Huber, Geschäftsführer der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung.

Kurzfristig hält der Münchner Vermögensverwalter das Gegenteil, nämlich Deflation, für wahrscheinlicher. „Die Staaten müssen ihre Schulden irgendwie refinanzieren, und ohne weitere Steuererhöhungen wird das nicht gehen. Dies wird die Wirtschaft eher bremsen.“

Depot: Langweilig ist überlegen

„Ein Depot muss sowohl auf ein inflationäres als auch auf ein deflationäres Szenario vorbereitet sein“, fasst Friedhelm Spiekermann von Spiekermann & Co. in Osnabrück zusammen. Sein Rat: Sachwerte wie Immobilien oder Aktien leisten einen guten Beitrag dazu, die Vermögenswerte zu streuen.

„Es klingt zwar langweilig, aber ein ausgewogenes Depot aus erstklassigen Anleihen, Aktien, ein wenig Gold und strategischer Liquidität ist langfristig jeder einseitig ausgerichteten Anlage überlegen“, so Spiekermann.