„So billig kommen wir wohl lange nicht mehr an europäische Aktien heran“ So reagiert Max Otte auf den Brexit

Max Otte ist Fondsmanager und war bis vor kurzem Professor für quantitative und qualitative Unternehmensführung an der Karl-Franzens-Universität Graz. Foto: Sahra Porsack / Hanseshot

Max Otte ist Fondsmanager und war bis vor kurzem Professor für quantitative und qualitative Unternehmensführung an der Karl-Franzens-Universität Graz. Foto: Sahra Porsack / Hanseshot

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Europa und Deutschland sind enttäuscht und entsetzt über die Brexit-Entscheidung. Können Sie dem Votum irgendetwas Positives abgewinnen? 

Max Otte: Ein Brexit wäre für Europäischen Union eine Riesenchance, ihre falschen und dysfunktionalen Strukturen der EU zu reformieren. Ein Kerneuropa, wie von Wolfgang Schäuble 1994 vorgeschlagen und von Helmut Kohl abgelehnt, hätte viele Vorteile. Der Rest der EU könnte endlich enger zusammenwachsen. Auch Deutschlands Position würde gestärkt.  Großbritannien hat sich aufgrund seiner lange stolzen kolonialen Tradition nie wirklich als Teil Europas gesehen, sonder eher als Richter über das Schicksal Europas. Großbritannien hat eine sehr eigene Identität und die Briten haben viele Entscheidungsprozesse behindert. Immer wieder hat Großbritannien Sonderregelungen verlangt. Bis heute gehört England nicht zur Eurozone, aber Englisch ist die Haupt-Amtssprache der EU. Diese Trittbrettfahrerei könnte nach einem Brexit aufhören - zum Nutzen aller.

Und inwiefern würde das Deutschlands Position stärken?

Otte: In den vergangenen 20 Jahren ist Frankfurt zu einem Finanzplatz zweiter Klasse geworden. Ein Brexit würde gerade für den Finanzmarkt Deutschland sehr positiv sein.