Solit Kapital: „Die Preise für Gold und Silber haben noch Potenzial nach oben“

Karsten Dümmler, Solit Kapital

Karsten Dümmler, Solit Kapital

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DAS INVESTMENT.com: Die Goldrallye ist derzeit im vollen Gange. Sie empfehlen hingegen, vor allem Silber zu kaufen. Warum?

Karsten Dümmler: Weil es gleich zwei Kurssteigerungsphantasien abdeckt. Zum einen erfüllt Silber eine Währungsfunktion, es dient also, genauso wie Gold, als Ersatzwährung, sollte es zu einer Hyperinflation und der Notwendigkeit einer Währungsreform kommen.  Nicht umsonst wird Silber als „das Gold des kleinen Mannes“ bezeichnet. Zum anderen ist Silber aber auch ein Industrierohstoff, der zum Beispiel in der Automobilindustrie oder von den Herstellern von Mobiltelefonen eingesetzt wird. Ganz gleich, wie es mit der Wirtschaft und dem Währungssystem weiter geht, die Silbernachfrage kann davon profitieren. Denn im Gegensatz zur Krisenwährung Gold deckt Silber sowohl ein extrem positives Szenario als auch ein Krisenszenario ab.

DAS INVESTMENT.com: Und warum physisches Silber?

Dümmler: Alternativen wie zum Beispiel Silber-Zertifikate haben ein Emittenten-Risiko, sind also von der Bonität einer Bank abhängig, was im Krisenfall zum Problem werden kann.

DAS INVESTMENT.com: Experten wie zum Beispiel Jim O'Neill, Chef von Goldman Sachs Asset Management, sagen ein baldiges Ende der Goldrallye voraus. Stehen wir vor einer Blase, die bald platzen wird?

Dümmler: Nein, ich sehe absolut keine Blase auf dem Gold-Markt. Schließlich handelt es sich bei dem gelben Edelmetall um ein knappes Gut, dessen Produktion rund 1.500 US-Dollar pro Feinunze mit steigender Tendenz kostet. Zudem wurde die Geldmenge in den USA und Europa in den vergangenen drei Jahren noch deutlich mehr ausgeweitet als der Goldpreis gestiegen ist. Vor diesem Hintergrund sehe ich Preise wie 1.900 Dollar pro Feinunze keinesfalls als zu hoch an. Außerdem waren Ende der 80er Jahre 15 bis 20 Prozent des Weltfinanzvermögens  in Gold und Silber angelegt. Heute sind es lediglich 4 Prozent. Es gibt also noch viel Luft nach oben.

DAS INVESTMENT.com: Doch auch wenn die Preise für Gold und Silber steigen, schaffen die Edelmetalle im Gegensatz zu etwa Aktien keinen Mehrwert für den Anleger, sondern verursachen Kosten, zum Beispiel für die Lagerung.

Dümmler: Ja, das stimmt. Doch ich sehe Gold als eine Art Vermögensversicherung. Und Versicherungen produzieren grundsätzlich keinen Mehrwert, sondern kosten Geld – und werden trotzdem nachgefragt. Und je wahrscheinlicher das Eintreten des Versicherungsfalls ist, desto höher ist die Versicherungsprämie. Das ist wie bei einem Auto mit Airbag. Auch ein Airbag ist ausschließlich dazu da, um dem Fahrer ein sicheres Gefühl zu vermitteln – doch nur die wenigsten würden darauf verzichten, auch wenn sie das Fahrzeug dafür etwas billiger bekommen könnten.

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: Es gibt viele Möglichkeiten, direkt oder indirekt in physisches Gold zu investieren. Wie sieht das beim Silber aus?