Sorgen ums Geld „Wie könnte ein stabiles Geldsystem aussehen, Herr de Vries?“

Heiko de Vries ist Vorstand bei der Fondsgesellschaft Loys. Foto: Thomas Hellmann

Heiko de Vries ist Vorstand bei der Fondsgesellschaft Loys. Foto: Thomas Hellmann

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Die Fondsgesellschaft Loys ist auf Aktienfonds spezialisiert, und ihr Starfondsmanager heißt Christoph Bruns. Doch in jenem Gespräch am 6. Oktober in der Bar des Hotels Atlantic in Hamburg soll es ausnahmsweise nicht um Aktien gehen.

Obwohl Gesprächspartner und Loys-Vorstand Heiko de Vries Aktien für eine durchaus treffliche Anlage hält, die locker verschiedene Währungssysteme überleben kann. Denn um unser Geldsystem soll es gehen – und mögliche Alternativen.

DAS INVESTMENT.com: Herr de Vries, lassen Sie uns mal nicht über Aktien, sondern das Geldsystem sprechen.

Heiko de Vries: Aber gern. Eine wichtige Frage ist hierbei, warum alle Geldsysteme auf der Welt nach dem identischen Plan aufgebaut sind.

Vielleicht weil er sich bewährt hat?

Das ist sicherlich ein gutes Argument. Aber ein kreditbasiertes und nicht rückgedecktes Geldsystem, wie wir es heute haben, ist zwar für junge, schnell wachsende Volkswirtschaften sehr effizient.

Man kann hier über Banken schnell und dezentral Geld zur Verfügung stellen. Ein Problem gibt es allerdings, sobald das Wachstum aufhört.

Wieso?

Weil das Kreditgeldsystem wie ein Schneeballsystem funktioniert.

Wie kommen Sie denn darauf?

Geld entsteht auf zweierlei Art. Einerseits drucken es die Zentralbanken. Der zweite Weg ist sogar der historisch betrachtet größere Teil der Geldmengenausweitung – es ist die Giralgeldschöpfung.

Während meines Studiums Ende der 90er Jahre galt es noch als etwas Gutes, wenn Banken auf der einen Seite Geld einnehmen, es als Kredit wieder ausgeben, als Einlage wieder annehmen, und wieder ausgeben und so weiter.


Es ist Geld, das nur aus Krediten entsteht. Und für dieses Geld gibt es immer auch eine Schuld in gleicher Höhe. Und diese Schuldenmenge muss man mit Zinsen bedienen.

Das dafür nötige Geld plus Zins steckt aber gar nicht im System. Es entsteht also ein gewisser Druck, der Geld verknappt. Das kann zu Deflation führen, die man aber immer vermeiden will.

Das erzeugt einen Zwang, neue Schulden zu erzeugen, um die alten bedienen zu können. Und zwar passiert das losgelöst vom Wirtschaftswachstum.

Die Kontraktion, von der Sie reden, haben wir jetzt. Unternehmen tilgen Schulden, Bilanzen verkürzen sich, die Geldmenge wächst kaum noch, wir kratzen an der Deflation. Ist das nun ein Fehler im System?

Es ist ein Zeichen, dass die alten Volkswirtschaften an die Grenzen ihres Wachstums gestoßen sind. Sie scheinen gesättigt nach dem Motto „Die Tränken sind voll, aber die Pferde saufen nicht“. Unternehmen, die einen Kredit bekommen würden, wollen ihn nicht. Und die, die ihn brauchen, kriegen ihn nicht.