„Spanien ist noch größere Gefahr als Griechenland“

Arne Sand und Max Schott (von links)

Arne Sand und Max Schott (von links)

// //

Nach Griechenlands Umschuldung ist die Eurokrise etwas in den Hintergrund geraten, aber gegen Ende des Monats rückte Spanien ins Visier der Marktteilnehmer und belastete die Kurse. Zudem vermochte die jüngste Liquiditätsmaßnahme der EZB von Ende Februar die Aktienmärkte im März weniger zu beflügeln, als dies noch im Januar der Fall war. Zwar notierte beispielsweise der Dax im Laufe des Monats teils deutlich über der 7000er Marke, am Monatsende lag er jedoch darunter. Erneut erfreuliche Wirtschaftsdaten aus den USA sorgten andererseits für weitere Kursgewinne der US-Aktien. Schwellenländer hingegen enttäuschten wegen schwächerer Konjunkturdaten.

Umschuldung Griechenlands erfolgreich – rückt nun Spanien in den Vordergrund?

Die Frage, ob eine Umschuldung Griechenlands gelingen würde, ließ die Aktienindizes zu Beginn des Monats auf Talfahrt gehen. Nachdem der Anleihetausch erfolgreich vollzogen und auch die Kreditversicherungen abgewickelt wurden, konnten sich die Märkte aber relativ schnell wieder erholen. Realwirtschaftlich steht Griechenland jedoch katastrophal da; selbst der Absatz von Lebensmitteln geht drastisch zurück, da viele Griechen müssen selbst bei Grundbedürfnissen sparen. Es bleibt abzuwarten, inwieweit die Umschuldung und die getroffenen Maßnahmen zu einer Besserung der Lage beitragen können.

Mit ebenfalls rund 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit lauert in Spanien wirtschaftlich gesehen jedoch noch eine viel größere Gefahr. Fast die Hälfte aller Nettoforderungen der EZB gegenüber europäischen Geldinstituten verteilt sich auf das marode spanische Bankensystem, welches unter immenser Kapitalflucht leidet: Da die EZB-Geldspritzen bislang nicht für realwirtschaftliches Wachstum sorgten, sondern die Umverteilung in die Nordstaaten beschleunigten, stieg die Einlagefazilität liquiditätsgefluteter Banken bei der EZB im März auf über 800 Milliarden Euro an.

Darüber hinaus drohen Spaniens Immobilienmarkt weitere Abwertungen, der Privatsektor ist maßlos überschuldet und das Land kaum wettbewerbsfähig. Da Spaniens Leistungsbilanzdefizit enorme Ausmaße annimmt, sind weitere Haushaltsdefizite und Zielverfehlungen vorprogrammiert. Der spanische Aktienmarkt verlor im März über 5 Prozent und der Wert lang laufender Anleihen fiel hinter denjenigen Italiens zurück. Und dies obwohl Spanien momentan mit „nur“ rund 70 Prozent des BIP verschuldet ist. Ob mit Spanien tatsächlich ein Schwergewicht der Eurozone ernsthafte Probleme bereiten wird, bleibt offen - die jüngste Entwicklung stimmt ist allerdings nicht sehr optimistisch.

Gute Stimmung in Deutschland, Staatsanleihen bleiben gefragt

Im Kontrast zur Eurokrise überraschen hierzulande die jüngsten Stimmungsindikatoren positiv. Wie das ifo Institut vermeldete lässt der Schwung allerdings etwas nach. Der Einzelhandel ist für die nächste Zeit zuversichtlich und TecDAX und MDAX konnten im März über 2 Prozent zulegen.

Nach einem kurzen Kursrückgang zur Monatsmitte hin waren gegen Ende März auch die sicheren deutschen Staatsanleihen wieder sehr gefragt. Die Umlaufrendite der 10jährigen Bundesanleihen sank auf unter 1,8 Prozent und ist damit trotz den Gewinnen am Aktienmarkt unter dem Niveau vom Jahresanfang.