Stabilität oder Öffnung? Mark Mobius: China in der Zwickmühle

Mark Mobius, Chairman der Templeton Emerging Markets Group

Mark Mobius, Chairman der Templeton Emerging Markets Group

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Nach den Neujahrsfeiern im Westen ist schnell Katerstimmung aufgekommen. Grund dafür waren Sorgen um China, wo der Aktienmarkt das neue Jahr 2016 mit Verlusten eingeläutet und andere Börsen weltweit mit nach unten gezogen hat. Der Einbruch um 7 Prozent am chinesischen Markt für A-Aktien am 4. Januar ließ das neue System der Handelsunterbrechungen in China aktiv werden. Dadurch wurde bereits am ersten Börsentag des neuen Jahres der Handel ausgesetzt. Gleichzeitig traf die Regierung zu Maßnahmen, um den Aktienmarkt zu stützen.

An dem Abverkauf waren sowohl Privatanleger als auch Großaktionäre beteiligt und zwar insbesondere Führungskräfte, die Aktien ihrer eigenen Unternehmen hielten. Um die Panik am Markt abzuschwächen, hat daher die chinesische Regierung das Volumen solcher Verkäufe beschränkt: Das staatliche Regulierungsorgan (China Securities Regulatory Commission) gab die Einführung einer Obergrenze bekannt, nach der bedeutende Anleger höchstens 1 Prozent der Aktien eines Unternehmens verkaufen dürfen. Diese Regelung soll am 9. Januar in Kraft treten und für drei Monate gelten. Die allgemeine Marktpsychologie war zuletzt aus mehreren Gründen ungünstig. Ein Grund war die Abwertung der chinesischen Währung Renminbi (RMB), die dazu führte, dass Anleger auf den RMB lautende Vermögenswerte, wie beispielsweise an der chinesischen Börse notierte Aktien, abstießen. Hinzu kam die Sorge, dass sich die Entscheidung der US-Notenbank (Fed), die Zinsen zu erhöhen, negativ auf andere Volkswirtschaften auswirken könnte. Ob in den USA weitere Zinsschritte folgen, ist derzeit nach wie vor zwar etwas ungewiss, jedoch werden allgemein weitere Anhebungen erwartet.



Es ist offensichtlich, dass viele Anleger momentan besorgt sind. Unserer Ansicht nach gibt es keinen Zweifel daran, dass China auch in diesem Jahr ein starkes Wachstum verzeichnen wird. Zugleich befindet sich das Land jedoch gewissermaßen in einer Zwickmühle. Auf der einen Seite will die Regierung für Stabilität sorgen, auf der anderen Seite strebt sie eine Öffnung an. Dies könnte in diesem Jahr eine höhere Volatilität am chinesischen Markt auslösen, weil die beiden entgegengesetzten Kräfte ihre Wirkung entfalten.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, daran zu erinnern, dass China eine Planwirtschaft hat. Ich glaube, das wird häufig vergessen, wenn sich Anleger über mögliche Bankpleiten, übermäßige Verschuldung und andere Worst-Case-Szenarien Gedanken machen. Letztlich gibt die Kommunistische Partei (also der Staat) die Richtung der Wirtschaft vor, und wir meinen, dass sie durchaus in der Lage ist, die richtigen Maßnahmen zu treffen, um ihre Ziele zu erreichen. Allerdings wird es mit Blick auf die Zukunft für die chinesische Regierung schwierig werden, die Kontrolle aufrechtzuhalten, wenn sie eine wirtschaftliche Öffnung des Landes anstrebt. Es ist offensichtlich, dass China seine Wirtschaft und insbesondere seine Währung liberalisieren will. Dies dürfte in mehreren Schritten und sehr vorsichtig geschehen, um die angestrebte Stabilität nicht zu gefährden. Jeder, der die Ziele Chinas – und deren potenzielle Bedeutung für den Markt – verstehen möchte, sollte die zehn Punkte des Plenums lesen, die die Richtung der Wirtschaft skizzieren. Manche Branchen werden neu organisiert werden und manche an Bedeutung verlieren. Uns scheint die Richtung des Lands jedoch klar zu sein – sie führt zu einer offeneren und stärker marktorientierten Wirtschaft, die sich an die internationalen Kapitalströme anpasst und deren Währung, der Renminbi, nicht nur eine Reservewährung ist, sondern auch eine bedeutende internationale Handelswährung.