Star-Manager Michael Hasenstab über Griechenland-Krise und Euro-Rentenmärkte

Michael Hasenstab

Michael Hasenstab

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Frage: Wie sehen Sie die Ereignisse in Griechenland und Südeuropa? Halten Sie griechische, spanische oder italienische Staatsanleihen?

Michael Hasenstab: Im Moment sehen wir den Euro negativ und halten weder griechische Anleihen noch Staatsanleihen anderer hoch verschuldeter Mitglieder der Eurozone. Griechenlands Staatsverschuldung kann nicht aufrechterhalten werden. Jetzt sind nie zuvor gesehene und schmerzliche Anpassungen erforderlich. Verschärft wird das Problem durch das schwierige politische Umfeld, in dem die Haushaltskürzungen und Steuererhöhungen vorgenommen werden müssen, sowie die mangelnde Glaubwürdigkeit der griechischen Regierung, die jahrelang falsche Statistiken gemeldet hat.

Für die Eurozone ist es eine schwierige Lage, doch wir rechnen nicht damit, dass dies darauf hinauslaufen könnte, dass ein Land aus der Eurozone ausscheidet.
Griechenlands Probleme könnten zu ansteckungsbedingten Ausverkäufen in der Region führen. Wir würden dies jedoch gegebenenfalls als Kaufgelegenheit sehen, da wir davon ausgehen, dass eine systemische Krise in der Eurozone abgewendet werden wird. Die besseren Fundamentalwerte der Länder in Mittel- und Osteuropa dürften sich dem Druck, der auf Griechenland und anderen Ländern im Randbereich der Eurozone lastet, standhalten.

Frage: Wie ist der Templeton Global Bond angesichts der vielen Probleme jetzt aufgestellt?

Hasenstab: Wir denken, dass sich aus dem Kontrast zwischen den Entwicklungsländern und den entwickelten Ländern 2010 ein wichtiges Thema für die Finanzmärkte ergeben wird: die wirtschaftliche Abgrenzung.

Künftig wird es immer wichtiger werden, genau zwischen Volkswirtschaften mit starken Fundamentalwerten und solchen, die durch ihre schwierige Wirtschaftslage gefährdet sind, zu unterscheiden. Erste Beispiele für diesen Trend dürften Anleihen von stark verschuldeten Emittenten wie Dubai World und Griechenland sein.

Dagegen haben entwickelte Länder wie Australien, Norwegen und Israel, deren Wirtschaft weniger ins Ungleichgewicht geraten ist, bereits auf eine restriktivere Geldpolitik umgestellt. Schwellenländer wie China haben indessen schon im vierten Quartal 2009 wieder zweistelliges Wachstum verzeichnet. Insbesondere die asiatischen Währungen dürften unserer Einschätzung nach mittelfristig gegenüber den G3 (USA, Eurozone und Japan) gestützt sein, weil Asiens regionale Konjunktur sich wesentlich besser erholt.

Frage: Im Templeton Global Bond Fund besteht aktuell eine bedeutende Short-Position im Euro. Haben Sie einen bestimmten Zielkurs im Visier?

Hasenstab: Wir haben keine festen Zielvorgaben für unsere Anlagen. Es ist vielmehr so, dass wir unsere Positionen entsprechend der Entwicklung der Fundamentalwerte ständig überprüfen. Was den Euro angeht, so hat sich dessen Wert im Verhältnis zum US-Dollar jetzt näher dem Niveau genähert, das unseres Erachtens durch die Fundamentalwerte gestützt ist. Wir denken jedoch nach wie vor, dass der US-Dollar künftig gegenüber dem Euro aufwertet, weil die Konjunkturerholung in den USA stärker ist als in Europa.