Starke Aktienauswahl, mehr Freiheit bei Anleihen Fonds-Klassiker im Check-Up: Kapital Plus

Stefan Kloss, Manager des Kapital Plus

Stefan Kloss, Manager des Kapital Plus

// //

1. Der Konkurrenz-Vergleich

Erfolgsformeln können manchmal so einfach sein. 70 Prozent europäische Renten, 30 Prozent europäische Aktien und dazu ein monatliches Rebalancing, um das ursprüngliche Gewicht der beiden Anlageklassen wiederherzustellen. Wer hätte bei Auflegung des Kapital Plus vor 21 Jahren gedacht, dass diese simple, aber äußerst effektive Strategie seither für eine durchschnittliche jährliche Rendite von 7,2 Prozent gut sein und reinrassige europäische Aktienfonds wie den ebenfalls aus dem Hause Allianz GI stammenden Industria (5,8 Prozent pro Jahr) um Längen hinter sich lassen würde?

Die beiden größten Verlustphasen in jüngerer Vergangenheit überstanden Anleger mit dem Kapital Plus einigermaßen glimpflich: Zwischen März 2000 und März 2003 büßte der Anteilspreis in der Spitze weniger als 10 Prozent ein, zwischen November 2007 und März 2009 waren es 19 Prozent. Ein Verlust, der aber schon im Februar 2010 vollständig wieder aufgeholt war. Zum Vergleich: Der Industria benötigte dafür bis zum Februar 2015 und rutschte Ende August wieder leicht unter das Vor-Finanzkrisen-Niveau.

Keine allzu große Überraschung also, dass der seit Juni 2011 von Stefan Kloss gemanagte Klassiker auch im jüngsten Fünf-Jahres-Vergleich der FWW-Kategorie „Mischfonds Defensiv Europa“ eine gute Figur macht. Mit einem Zuwachs von 47,7 Prozent brachte er gut 30 Prozentpunkte mehr als der Durchschnitt der Konkurrenz und belegt unter 35 Wettbewerbern hinter dem Meag Euro-Ertrag (plus 50,2 Prozent) Rang 2.


Quelle: FWW Fundservices GmbH

Geholfen hat dem Fonds dabei unter anderem, dass Kloss im Herbst 2011 auf taktische Manöver jeglicher Art verzichtete und den Aktienanteil konstant bei 30 Prozent hielt. Dazu musste er mehrmals antizyklisch Aktien nachkaufen: Angesichts der von der Euro-Krise ausgelösten massiven Verluste an den Börsen und der gleichzeitigen Flucht in Qualitäts-Rentenpapiere wäre die Quote sonst deutlich unter dieses in den Anlagebedingungen festgeschriebene Maß gesunken.

Auch auf Drei-Jahres-Sicht ist der Vorsprung des Kapital Plus auf den Durchschnitt der Vergleichsgruppe beträchtlich: Mit einem Zuwachs von 24,5 Prozent (Stichtag: 8. September) liegt er nahezu gleichauf mit dem Etappensieger Deutsche Postbank Europafonds Plus (25,2 Prozent) wiederum auf Rang 2. Als einen Grund für die deutliche Outperformance sieht Kloss erneut die kompromisslose Umsetzung der vorgegebenen Asset Allocation mit ihrem 70-prozentigen Anleihe-Anteil und einer dort immer relativ nah an der internen Benchmark JPM EMU Government Bond Investment Grade bleibenden Duration von 6,5 Jahren: „Das hat uns vor allem 2014 auf der Rentenseite Kursgewinne gebracht, während andere Fonds dort vielleicht etwas defensiver positioniert waren.“


Quelle: FWW Fundservices GmbH

Ein großer Anteil am exzellenten Drei- und Fünf-Jahres-Ergebnis gebührt aber auch Thorsten Winkelmann, der mit seinem Team die Aktienauswahl für den Kapital Plus verantwortet. Winkelmann managt auch den Allianz Europe Equity Growth, der ebenfalls seit Jahren zu den besten europäischen Aktienfonds zählt. Er betreibt an den Fundamentaldaten der einzelnen Unternehmen orientiertes Stockpicking, ohne sich großartig um die Zusammensetzung des MSCI Europe zu kümmern – das unterscheidet seinen Fonds, neben der Konzentration auf Wachstumswerte, vom Industria.

Wer meint, der Kapital Plus verlöre im jüngsten Ein-Jahres-Vergleich angesichts des Flash-Crashs am deutschen Rentenmarkt an Boden sieht sich getäuscht. Zwar fällt über diesen Zeitraum der Abstand gegenüber der Vergleichsgruppe naturgemäß kleiner aus, doch am Ende steht – wieder per Stichtag 7. September – Rang 1 von 39 Fonds. Was der Chart allerdings gut zeigt: Wenn es sowohl mit den Aktien- als auch mit den Rentenmärkten bergab geht, ist auch der Kapital Plus kein sicherer Hafen mehr: In der Spitze verlor der Fonds zwischen Mitte April und Ende August 11,5 Prozent an Wert.


Quelle: FWW Fundservices GmbH