Starke Nerven gefragt Folgt auf die Euphorie die nächste Finanzkrise?

Reinigungskräfte bei der Arbeit am vergangenen Montag an der New Yorker Börse: Der US-Index Dow Jones sackte an dem Handelstag um 4,6 Prozent ab - Vorbote für den nächsten Crash? Vermögensverwalter Ralf Borgsmüller sieht Anzeichen dafür. | © Getty Images

Reinigungskräfte bei der Arbeit am vergangenen Montag an der New Yorker Börse: Der US-Index Dow Jones sackte an dem Handelstag um 4,6 Prozent ab - Vorbote für den nächsten Crash? Vermögensverwalter Ralf Borgsmüller sieht Anzeichen dafür. Foto: Getty Images

Ralf Borgsmüller

Nahezu alle Wirtschaftsinstitute, Banken und Prognostiker sind sich einig: Die Weltwirtschaft hat noch viele gute Wachstumsjahre vor sich und die Finanzmärkte werden ihre Rekordjagd der letzten Jahre weiter fortsetzen. Es ist alles in bester Ordnung.

Grenzenloser Optimismus

Der Aufschwung in der Weltwirtschaft und der starke Börsenanstieg seit der Finanzkrise 2008/2009 beruhen im Wesentlichen auf historisch nie dagewesenen Eingriffen der Notenbanken und der Staaten ins Wirtschafts- und Finanzsystem. Von einer nachhaltigen Entwicklung kann bis heute keine Rede sein. In Wirklichkeit gleicht unser Finanzsystem einem Patienten, der immer noch auf der Intensivstation liegt und weiterhin künstlich am Leben erhalten wird.

Notenbanken erzeugen Spekulationsblasen

Die wichtigsten Notenbanken der Welt haben zur Überwindung der Wirtschafts- und Bankenkrise seit 2008 bis heute über 20.000 Milliarnde US-Dollar frisches Geld gedruckt. Gleichzeitig haben sie die kurzfristigen Zinsen auf null und sogar unter null gesenkt. Dies hat dafür gesorgt, dass es in vielen Ländern für Staats- und Unternehmensanleihen aktuell negative Zinsen gibt. Die Zinsen sind auf dem niedrigsten Stand in der Finanzgeschichte und die Anleihenmärkte in der größten Spekulationsblase aller Zeiten. Durch die verzweifelte Suche nach Renditen werden inzwischen selbst für Hochrisikoanleihen absurde Preise gezahlt. Im festen Glauben daran, dass die Zinsen nie wieder steigen werden. Diese Ansicht könnte sich in den nächsten Jahren als größter Trugschluss erweisen. Ein Platzen der Anleiheblase wird sich nicht verhindern lassen.

Weltverschuldung explodiert

Die verzweifelten Rettungsaktionen der Notenbanken haben zu einer weiteren Explosion der Weltverschuldung geführt. Staaten, private Haushalte, Unternehmen und der Finanzsektor haben sich in einem nie dagewesenen Ausmaß neu verschuldet. So sind die Gesamtschulden der Welt (Staats-, Privat-, Unternehmens- und Finanzschulden) seit der Krise 2008 bis heute um weitere circa 80 Trillionen US-Dollar auf einen aktuellen Höchststand von circa 240 Trillionen Dollar gestiegen.

Paradebeispiele der gewaltigen Schuldenexplosion sind die USA und China. Allein die Haushaltsverschulung in den USA hat sich in 10 Jahren von circa 10 Trillionen US-Dollar auf 20 Trillionen Dollar verdoppelt. In China sind die Gesamtschulden  seit 2007 bis heute um 23 Trillionen Dollar auf aktuell 30 Trillionen Dollar erhöht.