Stehauf-Kontinent Mittelständische Unternehmen waren Europas Überflieger

Gabelstapler auf dem Firmengelände des Maschinenbau-Unternehmens Jungheinrich. Die AKtie des Mittelständlers ist eine der Top-Positionen im Portfolio des SLI European Smaller Companies von Aberdeen Standard Investments. | © Getty Images

Gabelstapler auf dem Firmengelände des Maschinenbau-Unternehmens Jungheinrich. Die AKtie des Mittelständlers ist eine der Top-Positionen im Portfolio des SLI European Smaller Companies von Aberdeen Standard Investments. Foto: Getty Images

Wer hätte das gedacht: Ausgerechnet das Wachstum in Europa liefert einen großen Beitrag, die weltweite Produktion zu steigern. Das attestiert der Internationale Währungsfonds (IWF) dem alten Kontinent. Dessen Aufschwung stehe inzwischen auf einem soliden Fundament: „Die Erholung sieht immer langlebiger, breiter und auch stärker aus“, so Jörg Decressin, stellvertretender IWF-Direktor für Europa.

Seine Prognosen hat der IWF bereits deutlich angehoben. Nach einem europäischen Wirtschaftswachstum von 2,4 Prozent im Vorjahr rechnet die Institution 2018 nun mit einem Plus von 2,1 Prozent. Länder wie Russland und die Türkei, die nicht zum Binnenmarkt der Europäischen Union gehören, hat der IWF eingerechnet.

Für die Mitglieder der Euro-Währungsgemeinschaft geben sich die IWF-Experten nur wenig zurückhaltender, um 1,9 Prozent soll die Produktion von Gütern und Dienstleistungen 2018 aber auch dort zulegen. „Die Wirtschaft in der Eurozone befindet sich in guter Verfassung“, bestätigt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt. Gemessen an den Einkaufsmanagerindizes seien vor allem Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien auf dem aufsteigenden Ast. Das gesunde und synchrone Wachstum werde die Unternehmensgewinne und damit die Aktienkurse in den kommenden Monaten weiter anschieben.

Krisen mit Haussen beantwortet

Und dabei haben Anleger auch mit Blick in den Rückspiegel aktuell wenig Anlass zur Klage. Seit dem Höhepunkt des griechischen Staatsschulden-Dramas 2011, als an einem Schuldenschnitt und dreistelligen Milliarden-Hilfen kein Weg mehr vorbeiführte, hat sich etwa der Aktienindex MSCI Europe von seinen Tiefständen aus nahezu verdoppelt.

Seit der Jahrtausendwende haben die europäischen Aktienmärkte alle drei großen Krisen, die sie erschüttert haben, mit mehrjährigen Haussen beantwortet. Der Absturz hochgejazzter Internet- und Medien-Unternehmen (2000), die Ausfälle fauler US-Hypotheken (2007) und die ausufernden europäischen Staatsschulden hatten jeweils zu herben Verlusten geführt.

Dennoch konnten Anleger mit in Europa investierenden Aktienfonds ein dickes Plus einstreichen. Auf Sicht von 20 Jahren steigerten Fonds, die auf Aktien europäischer Konzerne setzen, ihren Wert nach Angaben des Research-Hauses Morningstar um 149 Prozent. Das entspricht einer jährlichen Rendite von 4,7 Prozent. Mit Anlagestrategien, die besonders wachstumsstarke Gesellschaften herauspicken, waren sogar 5,7 Prozent drin. Trotz tiefer Börsenabstürze ließen Aktienfonds damit langfristig Anleihefonds klar hinter sich, die auf 3,6 Prozent Rendite kommen. Selbst mit Ramschpapieren, sogenannten High Yields, konnten Fixed-Income-Fondsmanager nur 4,3 Prozent jährlich realisieren.