Steuerreformen, bessere Handelsbilanz, mehr Börsengänge „Der indische Markt wird weiter wachsen”

Arbeiter feiern in Phulpur, Indien: Die Zeit niedriger Einkommen scheint vorbei zu sein. | © Getty Images

Arbeiter feiern in Phulpur, Indien: Die Zeit niedriger Einkommen scheint vorbei zu sein. Foto: Getty Images

Wer das erste Mal nach Indien reist, dem geben Einheimische manchmal folgenden Hinweis: „Alles, was Sie jemals an Vorurteilen über unser Land gehört haben, ist wahr. Das Gegenteil davon aber auch.“ Denn die größte Demokratie der Welt ist ein Land voller Vielschichtigkeit und Widersprüche.

Indien ist gekennzeichnet durch eine junge Bevölkerung. Und sie besitzt eine sehr heterogene Kultur sowie große geografische und wirtschaftliche Unterschiede. Und genau wie für ausländische Besucher kann dies auch für Investoren undurchsichtig sehr verwirrend sein – und beachtliche Risiken bergen.

Doch wo Risiken sind, ergeben sich auch Chancen. Für Anleger bieten sich in Indien unterschiedliche Investment-Möglichkeiten. Denn die Tendenz im Land ist klar: Es geht aufwärts. Laut der Prognose der indischen Regierung soll das Bruttoinlandsprodukt innerhalb der nächsten zwölf Monate zwischen 7 und 7,5 Prozent steigen. Investitionen in Infrastruktur, Bildung und den Gesundheitssektor dürften das Wachstum dabei besonders ankurbeln.

Die Zeit hoher Staatsdefizite, niedriger Einkommen, negativer Leistungsbilanzen und hoher Inflation scheint indessen vorbei zu sein. Die Regierung unter Premierminister Narendra Modi ist dabei, dringend nötige Reformen umzusetzen – und scheut auch vor unliebsamen Maßnahmen nicht zurück. Eine absolute Mehrheit im Parlament, die seine Partei Bharatiya Janata Party (BJP) bei den Wahlen 2014 erhielt, hat das dafür benötigte Mandat bereitet und einen Prozess in Gang gesetzt, der das Land auf den fünften Rang unter den größten Volkswirtschaften der Welt katapultieren könnte.

Kampf gegen die Schattenwirtschaft

Dabei war die Ausgangslage in Indien vor einigen Jahren alles andere als rosig. Eine kafkaeske Bürokratie, undurchsichtige Steuerregelungen, die von Bundesstaat zu Bundesstaat variierten, eine Verhinderungspolitik sowohl bei Unternehmensgründungen als auch für Investoren, und vor allem die grassierende Korruption – das sind nur einige der vielen Baustellen, die die Regierung in Angriff nehmen musste.

Um eine nachhaltige Verbesserung herbeizuführen, musste die Regierung das Übel an der Wurzel packen und grundlegende Änderungen vornehmen. So zählt zu den bisher durchgeführten Reformen eine Vereinheitlichung des komplizierten Steuersystems im sogenannten „Goods and Services Tax“ (GST), einer Mehrwertsteuer, die de facto erst einen gemeinsamen indischen Binnenmarkt schuf. Diese Umstellung dürfte nicht nur das Wachstumspotenzial des Landes heben, sondern mittelfristig die Steuerstruktur verbessern und die Reformbereitschaft auf Staatsebene fördern.

Eine weitere wichtige Maßnahme, die 2016 beschlossen wurde, war ein neues Insolvenzrecht. Dieses erlaubt bankrotte Unternehmen schneller abzuwickeln und so die Rückgewinnungsrate bei Insolvenzverfahren zu verbessern. So können Indiens Banken faule Kredite beseitigen und das Kapital nutzbringender einsetzen. Gleichzeitig hat die Regierung angekündigt staatliche Banken mit 32 Milliarden US-Dollar zu rekapitalisieren. Dies verhilft Anleihen indischer Banken zu einer Qualitätsverbesserung und schafft Vertrauen in das Kreditwesen.

*Schroder ISF steht für Schroder International Selection Fund.