Stichtag 1. Juni Was die Aufnahme chinesischer A-Aktien bei MSCI für Anleger bedeutet

Angestellte einer Textilfabrik in chinesischen Provinz Jiangsu. Mit Aufnahme von A-Aktien sind ab heute 234 chinesische Unternehmen neu im MSCI Emerging Markets vertreten.  | © Getty Images

Angestellte einer Textilfabrik in chinesischen Provinz Jiangsu. Mit Aufnahme von A-Aktien sind ab heute 234 chinesische Unternehmen neu im MSCI Emerging Markets vertreten. Foto: Getty Images

Mit Stichtag 1. Juni hat der Indexanbieter MSCI chinesische Inlandsaktien in den Index MSCI Emerging Markets aufgenommen, 234 Einzeltitel sind auf diese Weise neu hinzugekommen. Sogenannte chinesische A-Aktien werden im Gegensatz zu den schon lange international verfügbaren H-Aktien in chinesischen Yuan gehandelt.

Zum Start im MSCI Emerging Markets Index haben A-Aktien zunächst ein Gewicht von 0,35 Prozent. John Lin, Fondsmanager und Aktienexperte für China bei der Fondsgesellschaft Alliance Bernstein, schätzt, dass MSCI diesen Anteil bis Ende August verdoppeln könnte. Die Nachgewichtung im Index geschehe schrittweise, da China strenge Quoten für die täglichen Käufe ausländischer Investoren vorschreibe. Da viele Passivanleger nun ihre Portfolios anpassen müssten, käme es sonst zu Kapazitätsengpässen, erläutert Lin.         

Mit einer sehr großen Anlegernachfrage nach chinesischen Inlandsaktien rechnet auch Helen Wong, Leiterin China inklusive Hongkong und Taiwan bei HSBC: „Die Öffnung des chinesischen Kapitalmarkts ist für globale Investoren ein historischer Moment. Wir gehen davon aus, dass ausländische Investoren verstärkt inländische Aktien halten werden“, so Wong.

600 Milliarden US-Dollar erwartet

Umgekehrt rechnet die Expertin auch mit Rückenwind für chinesische Unternehmen: „Diese Zuflüsse werden die chinesische Realwirtschaft unterstützen, die mehr und mehr von Technologie, Dienstleistungen und Konsum getrieben ist.“ Durch die Aufnahme in den Index könnten in den kommenden fünf bis zehn Jahren mehr als 600 Milliarden US-Dollar in chinesische Aktien fließen, schätzt Wong.

Christian Heger, Investmentchef bei HSBC Global Asset Management, weist auf den Imagegewinn Chinas unter internationalen Anlegern hin: „Die Aufnahme der China-A-Aktien in die Indexfamilie von MSCI unterstreicht die zunehmende Bedeutung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt auch auf den internationalen Kapitalmärkten.“

Chinesische Titel hätten bereits heute den mit Abstand größten Anteil am MSCI Emerging-Markets-Index und anderen asiatische Indizes, erinnert Heger. Das erweiterte Aktien-Universum verspreche Anlegern in Zukunft verbesserte Möglichkeiten zur Streuung von Investments: „Während zahlreiche exportorientierte Unternehmen bislang auch über ihre Notierung in Hongkong erwerbbar waren, sind viele inlandsorientierte Werte erst jetzt im Index vertreten.“