Stresstests für Privatanleger: So werden Portfolios überprüft

Düstere Aussichten für Anleger-Portfolios? Da hilft ein Stresstest <br>für die Neujustierung. Quelle: Fotolia

Düstere Aussichten für Anleger-Portfolios? Da hilft ein Stresstest
für die Neujustierung. Quelle: Fotolia

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Im Beitrag „Stresstests für Privatanleger sind notwendig“ wurde bereits aufgezeigt, wieso Stresstests nicht nur für Finanzinstitute, sondern auch für Privatanleger sinnvoll und notwendig sind. Nun möchten wir anhand von zwei Beispielen erläutern, wie die Ergebnisse und Überlegungen in konkrete Portfolio-Modellierungen einbezogen werden können. Dazu betrachten wir realistische Anlegerbeispiele.

Zu Beginn einer Anlageentscheidung muss das mögliche Anlageuniversum festgelegt und nach Risikogruppen kategorisiert werden. Wir nehmen in diesem Beitrag an, dass Aktien, Rohstoffe, Staatsanleihen, Immobilien und Festgeld als Anlagemöglichkeiten zur Verfügung stehen. Tabelle 1 beinhaltet die genauen Assets, die Gruppenzuordnung und die historischen Kennzahlen seit Ende 1998. Für Festgeld wird ein aktueller Zinssatz von 2 Prozent angenommen.

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Die sieben Assets lassen sich relativ gut in drei Kategorien einteilen – Aktien (A), Sachwerte (S) und Geldwerte (G). Im Gegensatz zu vielen gängigen Einteilungen unterscheiden wir zwischen Aktien und Sachwerten – und dies aus gutem Grund.

Während eine Goldmünze oder eine Immobilie physisch vorhanden und greifbar sind (und dies unabhängig vom wirtschaftlichen Umfeld) kann sich die Ausrichtung beziehungsweise die Strategie eines Unternehmens relativ schnell ändern. Daneben sind die Einflussfaktoren auf die Preisentwicklung dieser beiden Gruppen sehr unterschiedlich (vergleiche Tabelle 3).

In einem zweiten Schritt müssen Stressszenarien entwickelt werden, das heißt, es werden Szenarien und Einflussfaktoren für die jeweilige Kategorie analysiert, die zu einer stark negativen Entwicklung führen könnten. Für Aktien stellen beispielsweise die Szenarien Rezession und Liquiditätsverknappung ernstzunehmende Gefahren dar. Analoge Szenarien für Geldwerte sind das Auftreten von Staatspleiten oder eine hohe Inflation.

Nun gilt es die Vorüberlegungen in konkrete Anlagevorschläge für zwei Beispielanleger umzusetzen.

Beispiel 1: Herr Müller ist Rentner, lebt in einer Mietswohnung und hat 100.000 Euro zur Seite gelegt. Ziel von Herrn Müller ist es, dass eine Rendite von rund 2 Prozent oberhalb der Inflationsrate erzielt wird. Eine Analyse der Situation von Herrn Müller zeigt schnell, dass ein Stressszenario bezüglich Geldwerten die größte Gefahr darstellt.

Einerseits hat Herr Müller durch die Rente bereits einen großen Geldwert in seinem Vermögen. Andererseits besitzt Herr Müller wenig Sachwerte, zum Beispiel keine Immobilie. Von daher gilt es sein Vermögen vor einer Geldentwertung zu schützen und dabei die Schwankungen des Portfolios möglichst zu minimieren.

Wir stellen daher folgende Bedingungen an eine Portfoliooptimierung:

•    Geldwerte dürfen maximal 20 Prozent des Portfolios ausmachen
•    Um die Schwankungen des Portfolios zu minimieren sind nur 35 Prozent Aktien erlaubt
•    Um eine breite Diversifikation zu erzielen darf maximal 25 Prozent in ein Asset investiert werden
•    Als Zielrendite wählen wir 4,5 Prozent

Für die Optimierung werden die historischen Mittelwerte aus Tabelle 1 verwendet. Lediglich bei Staatsanleihen wird die aktuelle Rendite von 0,95 Prozent statt des historischen Mittelwertes verwendet, da aktuell dieser Wert erzielt wird, wenn die Anleihen zurückbezahlt werden.