Studie von EY Innovalue Versicherungs-Chefs: „Insurtechs stellen noch keine Bedrohung dar“

Christian Mylius, Managing Director bei EY Innovalue

Christian Mylius, Managing Director bei EY Innovalue

Die Vorstände der deutschen Versicherungsbranche erwarten massive Marktveränderungen durch die Digitalisierung. Aber sie sind auch zuversichtlich, in diesem Wandel zu bestehen. Das gilt auch für kleinere Versicherungsunternehmen. Dies sind Ergebnisse der Befragung von rund 80 Teilnehmern des 15. Versicherungs-Roundtables von EY Innovalue. Die strategische Managementberatung für Finanzdienstleister aus der Ernst&Young-Gruppe diskutiert regelmäßig mit Entscheidern der Branche über aktuelle Themen aus Betrieb und Vertrieb.

„Die Branche ist hellwach“, kommentiert Christian Mylius, Managing Director bei EY Innovalue. „Die Diskussion unter den Vorständen und Geschäftsführern der Branche macht deutlich, dass es viel Veränderungsbedarf gibt, um Strategien anzupassen, Prozesse neu zu ordnen und die IT fit für das digitale Zeitalter zu machen. In den nächsten Jahren werden wir Investitionen in Milliardenhöhe sehen“, so Mylius.

Digitalisierung hat vielfältige Wirkungen

Die Digitalisierung hat demnach vielfältige Wirkungen. So gehen alle Teilnehmer der Veranstaltung von EY Innovalue davon aus, dass die „Customer Journey“, also der Prozess von der Erstinformation bis zum Abschluss und auch die Aftersales-Services künftig zu einem immer größeren Anteil online erfolgen. Allerdings sehen die Vorstände darin keine Bedrohung. 86 Prozent der Befragten stehen beispielsweise digitalen Versicherungsordnern wie Knip oder Clark gelassen gegenüber.

69 Prozent empfinden auch gänzlich neue digitale Geschäftsmodelle nicht als Gefahr. „Das geht in Ordnung, soweit die Unternehmen laufend ihre Positionierung hinterfragen und mit Nachdruck an stärkerer Kundenorientierung, Produktinnovationen und Leistungsverbesserungen arbeiten“, meint Mylius. „Die Branche geht das allerdings sehr differenziert an.“

Rückstand bei kleineren Gesellschaften

Dass kleinere Versicherungsunternehmen durch fehlende Finanzkraft ins Hintertreffen geraten könnten, erwartet nur eine Minderheit von 40 Prozent. Eine knappe Mehrheit (51 Prozent) ist der Meinung, dass ein Digitalisierungsrückstand bei kleineren Gesellschaften aufgrund der geringeren Komplexität in den nächsten Jahren aufgeholt werden kann.

„Hohe Investitionen werden nicht nur in die Digitalisierung selbst, sondern auch in die Personalgewinnung und -entwicklung erforderlich sein, um Talente und Fachkräfte an die Unternehmen zu binden“, erklärt Mylius. Rund 86 Prozent der befragten Vorstände halten dies für erfolgskritisch. „Versicherer, die bei der digitalen Transformation führen, durch Innovationen auf sich aufmerksam machen oder an Lab-Initiativen teilnehmen sind deutlich attraktiver für High-Potentials“, so Mylius.

Weniger zuversichtlich sind die Branchenexperten mit Blick auf die Kfz-Versicherung. Die Mehrheit erwartet eine Stagnation des Prämienvolumens (38 Prozent) oder sogar einen Rückgang (37 Prozent). Dabei werden nach Ansicht der Befragten vor allem kleinere und mittlere Versicherer ihr Kfz-Geschäft aufgeben. Der Direktvertrieb – auch über Vergleichsportale – wird weiter stark zunehmen, dabei werden die Automobilhersteller ihre Marktanteile im Neugeschäft deutlich ausbauen, so die Erwartung.