Studie zur Anlegerstimmung Indische Anleger weltweit am optimistischsten

Indische Frauen an der Bombay Stock Exchange in Mumbai: Anleger in Indien sind derzeit weltweit die optimistischsten. (Bild: Getty Images)

Indische Frauen an der Bombay Stock Exchange in Mumbai: Anleger in Indien sind derzeit weltweit die optimistischsten. (Bild: Getty Images)

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Die von Franklin Templeton durchgeführte Studie zur Anlegerstimmung 2015 „Global Investor Sentiment Survey“ (GISS) offenbart eine Reihe interessanter Beobachtungen über die Ansichten, Fehleinschätzungen und Vorlieben von Anlegern. Und sie bietet einige Überraschungen. Im Rahmen der diesjährigen Erhebung wurden Anleger in 23 Industrie- und Schwellenländern befragt. Seit der ersten jährlichen Studie im Jahr 2011 zeigten sich die Anleger der Welt im Großen und Ganzen hartnäckig optimistisch, wenn auch in einigen Märkten mehr als in anderen.

In den letzten fünf Jahren, in denen die GISS-Erhebung durchgeführt wurde, erwies sich die Anerkennung des Werts weltweiter Geldanlagen als ermutigender Umfragetrend. In unserer diesjährigen Umfrage zeigen Anleger, die in Schwellenmärkten leben, und Anleger im Alter von 25 bis 34 Jahren (die „Millennial“ Generation) in Industrie- und Schwellenländern das größte Interesse an Geldanlagen im Ausland. Fast sieben von zehn der befragten Anleger erwarten für dieses Jahr die besten Aktienerträge außerhalb ihrer Heimatländer. Meiner Meinung nach ist eine globale Diversifizierung wichtig. Denn es lässt sich nur schwer voraussagen, welche Märkte sich von Jahr zu Jahr letztendlich als die besten oder schlechtesten erweisen.

Brasilianische Anleger höchst pessimistisch

In Nord- und Südamerika sind die Anleger nur zum Teil mit Blick auf ihre lokalen Aktienmärkte optimistisch, nämlich in den USA und in Kanada. Insgesamt erwarten 64 Prozent der Befragten in diesen beiden Ländern, dass ihr jeweiliger Aktienmarkt in diesem Jahr zulegen wird. Demgegenüber sind Anleger in Lateinamerika (einschließlich Mexiko) pessimistisch: Nur 46 Prozent erwarten einen Anstieg ihres lokalen Aktienmarkts in diesem Jahr.

Die Umfrage veranschaulicht gut die bittere Stimmung vieler Menschen, die derzeit in Brasilien herrscht. Denn die Wirtschaft dort leidet. Bei Anlegern in Brasilien zeigt sich auch die dramatischste Abwärtsbewegung der Stimmung unter den Ländern. Das Optimismus-Niveau fällt dort um 19 Prozent gegenüber der 2014 durchgeführten Umfrage.

Gleichzeitig erwarten etwas über die Hälfte (56 Prozent) aller Befragten in Asien und Australien, dass ihr lokaler Aktienmarkt zulegen wird. Anleger in China zeigen die mitunter stärkste Aufwärtsbewegung der Stimmung gegenüber dem Vorjahr. Hier steigt der Anlegeroptimismus laut Umfrage um 12 Prozent.

Einige Anleger – insbesondere jene im Westen Asiens – äußern sich besorgt über ein sich im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten verlangsamendes Wachstum in China. Sie sehen die Aussichten für den chinesischen Markt nicht so positiv wie dort lebende Anleger. Wir bleiben jedoch optimistisch, was China als fortwährenden, globalen Wachstumstreiber betrifft. Es ist wichtig anzumerken, dass China 2010 ein Wachstum von 10,4 Prozent meldete, was einem Beitrag zur Wirtschaft von etwa 600 Milliarden US-Dollar gleichkommt. Als die Wirtschaft 2013 mit 7,7 Prozent weniger stark wuchs, wurden der Wirtschaft mehr als 900 Milliarden US-Dollar hinzugefügt. In Dollar ausgedrückt können wir also immer noch eine höhere Wirtschaftsleistung verzeichnen, wenn auch das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zurückgeht. Außerdem beobachten wir nach wie vor viel Raum für Infrastrukturentwicklungen in China. Denn die Gehälter von Wanderarbeitern steigen, und die Migration in die Städte setzt sich fort.

China: Gesetzesvorlage zur Liberalisierung ausländischer Anleger stimmt positiv

Viele erwarten, dass Chinas umfassende Wirtschaftsreformen, die im Rahmen der Dritten Vollversammlung der Kommunistischen Partei angekündigt wurden, sich insgesamt äußerst signifikant auf die Schwellenmärkte auswirken werden. Diese Reformen umfassen unter anderem größere Deregulierungs- und Liberalisierungsinitiativen, die den Interessen des Privatsektors Zugang zu den Industrie- und Finanzsektoren ermöglichen und mehr Freiheiten für Investitionen durch ausländische Unternehmen bieten. Als Anleger in China ermutigt uns insbesondere die Gesetzesvorlage für eine Liberalisierung ausländischer Investitionen. Das würde bedeuten, dass ausländische Investoren im Einzelfall für Joint Ventures keine staatlichen Genehmigungen mehr bräuchten. Ausländischen Anlegern könnte das die Möglichkeit bieten, in Industrien zu investieren, die für sie nach chinesischem Recht in der Vergangenheit nicht offen standen.

Interessanterweise zeigte die Studie zur weltweiten Anlegerstimmung im letzten Jahr, dass von allen im Rahmen der Studie erfassten Ländern indische Anleger die Aussichten für ihren lokalen Markt am optimistischsten einschätzten. Die Erhebung fand vor dem Wahlsieg des jetzigen Premierministers Narendra Modi statt. Es scheint also, als ob viele der Befragten neue Hoffnung in die Zukunft setzten. In der Tat erwies sich der indische Aktienmarkt 2014 mit einem Anstieg von fast 30 Prozent als einer der am besten abschneidenden Märkte. Auch in der diesjährigen Umfrage bleiben indische Anleger die optimistischsten: 85 Prozent der Anleger erwarten, dass ihr lokaler Aktienmarkt zulegen wird. 97 Prozent sind entweder optimistisch oder sehr optimistisch mit Blick auf ihre finanziellen Ziele.