Templetons Deutschland-Chef im Interview „Der Templeton Growth war damals ein Geheimtipp“

Reinhard Berben ist seit 2001 bei Franklin Templeton in Deutschland und seit 2004 Geschäftsführer | © Piotr Banczerowski

Reinhard Berben ist seit 2001 bei Franklin Templeton in Deutschland und seit 2004 Geschäftsführer Foto: Piotr Banczerowski

DAS INVESTMENT: 1992 waren Sie bei Sal. Oppenheim. Kannten Sie Franklin Templeton da schon?

Reinhard Berben: Ja, aber nur den Templeton Growth. Er war damals ein Geheimtipp, den eine besondere Aura umgab. Ein sehr erfolgreicher globaler Aktienfonds mit Value-Ansatz und Sir John Templeton am Ruder.

Zurzeit leidet sein Nimbus, was auch an der langjährigen allgemeinen Value-Schwäche liegt. Sollten Sie nicht auch mal ein paar Quality-Growth-Fonds als Gegengewicht auflegen?

Berben: Der Fonds ist über 60 Jahre alt. Selbst eine relative Schwäche gegenüber dem Index von einigen Jahren ist für uns kein Anlass, die Strategie zu ändern. Der Value-Ansatz des Templeton Growth ist nach wie vor klar, leicht verständlich und auf lange Sicht erfolgreich. Aber sicherlich werden wir gerade in diesem Bullenmarkt gefragt, ob man die Rally der Tech-Werte nicht besser mitgenommen hätte.

Das wurde Fondsmanager Mark Holowesko im Jahr 2000 auch gefragt.

Berben: Richtig. Und auch heute gilt: Wenn uns Aktien nach unseren Messmethoden zu teuer erscheinen, dann sind wir eben nicht dabei, sondern investieren lieber in Ländern Europas, wo wir vernünftigere Bewertungen finden. Viele Anleger verstehen unser langfristiges Denken und schauen nicht jedes Jahr auf den Index. Wir wollen mit unserem Ansatz besser abschneiden als der Markt, wenn es mal rappelt, und damit den Grundstein für langjährige Outperformance legen.

Reinhard Berben, Geschäftsführer von Franklin Templeton in Deutschland (Foto: Piotr Banczerowski)

Ein Crash würde Ihnen also helfen.

Berben: Den wünscht sich in unserer Branche hoffentlich niemand. Aber natürlich wäre es für den Templeton Growth gut, wenn Aktien wieder auf angemessene Bewertungsniveaus zurückfänden. Das ist in weniger euphorischen Zeiten der Fall und würde das Stockpicking des Fonds wieder stärker bezahlt machen.

Deutsche Anleger fahren auf Mischfonds ab. Ist ein globaler Aktienfonds überhaupt noch zeitgemäß?

Berben: Ein klares Ja. Die Aktienanlage ist und bleibt der Motor eines jeden Portfolios, übrigens auch in Mischfonds. Es geht bei der Aktienanlage um den Marathon, nicht den Sprint. Mit einem Aktienfonds hat sich der Anleger für einen Marathon entschieden. Ein flexibler Mischfonds kann auch mal für einen Sprint von wenigen Jahren genutzt werden.