TER, NAV, ETC. Wie man mit 3 Fragen den richtigen ETF findet

Vittel-Abfüllanlage der Firma Nestlé im französischen Contrexéville: Der Nahrungsgigant aus der Schweiz ist mit einer Gewichtung von 2,7 Prozent die größte Position im Europa-Aktienindex Stoxx Europe 600. | © Getty Images

Vittel-Abfüllanlage der Firma Nestlé im französischen Contrexéville: Der Nahrungsgigant aus der Schweiz ist mit einer Gewichtung von 2,7 Prozent die größte Position im Europa-Aktienindex Stoxx Europe 600. Foto: Getty Images

Die Grafik von Jens Kummer ist ein Fest für jeden Pfennigfuchser. Der Horror ist sie dafür für jene, die immer glaubten, ein Indexfonds sei wie der andere, solange der Index derselbe ist. Denn Kummer – Mitgründer und Teilhaber von Mars Asset Management – lässt regelmäßig die beliebten börsengehandelten Indexfonds (ETF) gegeneinander antreten. Damit findet er am besten heraus, welcher Fonds gut geeignet ist, wenn der gewünschte Aktien- oder Anleihe-Index erst einmal feststeht.

Kummer ist einer jener Fondsmanager, die komplette Portfolios aus ETFs zusammenbauen und das Gesamtrisiko überwachen. Schon aus diesem Grund kennt er die Unterschiede zwischen den Anbietern und ETFs. Da ist zunächst die alte Frage, ob der Anbieter den Index in echt und dann komplett oder teilweise nachbaut (physische Replikation) oder für die genaue Wertentwicklung einen Swap verwendet, also ein Derivat. Der Markt hat sich vor einigen Jahren mit einigem Übergewicht für die physische Variante entschieden. Swap-ETFs sind seitdem auf dem Rückzug, aber es gibt sie noch.

Weiter geht es mit den verschiedenen Handelskosten, Managementgebühren, Liquidität und Wertpapierverleih. Denn häufig bügeln ETF-Anbieter die Wertentwicklung ihrer Fonds auf, indem sie einzelne Titel aus den Portfolios an andere Investoren verleihen. Die können damit über sogenannte Leerverkäufe auf sinkende Kurse wetten. Sie verkaufen die geliehenen – also eigentlich gemieteten – Papiere und kaufen sie später wieder zurück. Ist der Kurs gefallen, fahren sie damit einen Gewinn ein.

Die vielen Aspekte können die Wertentwicklung deutlich auseinandergehen lassen, wie Kummer in seiner Grafik zeigt.

3 wichtige Fragen dazu:

Was sagt die Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio, kurz TER), aus?

Jens Kummer: Nicht viel, es fehlen zu viele Nebenkosten.

Welche Kursdaten nutzt man für den ETF-Vergleich?

Kummer: Ein Kurs pro Tag reicht aus. Wichtig ist, dass es verlässlich gehandelte Preise sind und die täglichen Bewegungen mitgemacht werden. Auch der täglich ermittelte Inventarwert des Fonds (Net Asset Value, NAV) ist geeignet. Dass die ETF-Häuser ihre NAVs zu verschiedenen Tageszeiten ermitteln, gleicht sich über längere Zeiträume aus und fällt dann nicht mehr ins Gewicht.

Gibt es Anbieter, die dauerhaft überdurchschnittlich abschneiden?

Kummer: Nein, bei meinen Analysen entsteht immer wieder ein bunter Mix aus den verschiedenen Anbietern. Keiner tut sich wirklich nachhaltig hervor, jeder hat andere Stärken und Schwächen.

Nur die muss man eben auch finden.